Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

eines  Verwaltungsakts  der  Regierung.1  4  Wurde  damals  die  Mitgliedschaft  durch
regierungsamtliche  Berufung  hergestellt,  so  erfolgten  erst  seit  Februar  1960
konstitutive  Zuwahlen.1  °
Das  schloss  nicht  aus,  dass  Eugen  Meyer  in  einer  Mitgliederversammlung  oder
auf  einer  "Hauptsitzung"  um  Vorschläge  für  weitere  Mitgliedschaften  bat.  Wann
und  ob  diese  dann  überhaupt  realisiert  wurden,  hing  aber  von  einem  Regierungsakt
  ab,  und  an  dem  waren  dann  wohl  nur  noch  Vorsitzender  und  Regierungsvertreter
  aus  dem  Kuratorium  beteiligt.  Auf  jeden  Fall  gab  es  einen  regierungsseitig
  nicht  nur  bestimmten,  sondern  auch  gelenkten  Mitgliederbestand.
Von  dieser  gleichsam  oktroyierten  -  oder  "handverlesenen"  -  Versammlung  heißt
es  nun,  sie  habe  der  Landesregierung  ein  Kuratorium  für  die  Kommission  vorgeschlagen,
  und  -  ich  ergänze  -  angeblich  am  Sonntag,  dem  9.  März  1952,174 176 179  aber
eventuell  doch  schon  am  Freitag,  dem  7.,  wurde  dieses  durch  die  Landesregierung
  bestellt:  Vorsitzender  wurde  Eugen  Meyer,  sein  Stellvertreter  der  Münzund
  Wappenkenner  Gesandter  a.D.  Gustav  Braun  von  Stumm  und  Geschäftsführer
  Landeskonservator  Dr.  Josef  Keller.  Zwei  Beisitzer  komplettierten  das
Gremium,  das  seit  der  Umorganisation  als  eingetragener  Verein  1960  >Vorstand<
genannt  wird.1  1952  war  einer  der  Beisitzer  der  sprachwissenschaftlich  arbeitende
  Oberstudienrat  Dr.  Alois  Lehnert  (Dillingen);1  s  als  zweiter  fungierte  der
gleichzeitige  Regierungsvertreter  Oberregierungsrat  Dr.  phil.  Hans  Groh.174
Ich  rufe  in  Erinnerung,  was  das  Protokoll  über  die  zweite  Mitgliederversammlung
  vom  5.  März  1952  festgehalten  hat:  Professor  Meyer  "teilt  [...]  mit,  daß  die
Ernennung  des  Vorstandes  durch  die  Regierung  noch  nicht  erfolgt  sei,  daß  aber
die  Besetzung  bereits  feststehe.  Folgende  Herren  sollen  dem  Kuratorium  angehören"
  -  und  dann  folgten  die  fünf  bekannten  Namen  Meyer,  Braun  von  Stumm,
Keller,  Groh  und  Lehnert.  Gegen  Ende  dieser  "Organisationsmaterie"  steht  der
Protokollsatz  "Der  Vorstand  ist  damit  konstituiert"  -  Ernennungsurkunden
später!180
Die  uns  heute  bekannten  Wahlen,  so  vorbereitet  sie  auch  im  Detail  sein  mögen,
gehören  erst  einer  späteren  und  nicht  der  Gründungsphase  an.

174  "§  1  (3)  Die  Ergänzung  der  Mitglieder  der  Kommission  erfolgt  [...]  auf  Vorschlag  des
Kuratoriums  durch  Wahl  seitens  der  Mitgliederversammlung.  Die  Wahl  bedarf  der  Bestätigung
  durch  das  Ministerium  für  Kultus,  Unterricht  und  Volksbildung";  Amtsblatt  des
Saarlandes  1951,  S.  831.
175  Herrmann,  in:  Broschüre  (Anm.  1),  S.  8  und  10.
176  Ebd.,  S.  8.  Ebenso  schon  Herrmann  (Anm,  68),  S.  71,  wohl  auf  Grundlage  des  entsprechenden
  Geschäftsberichts  im  Protokoll  der  Mitgliederversammlung  vom  6.11.1952,
S.  [2].
177  Broschüre  (Anm.  1),  S.  8  bzw.  9.
178  Ebd.,  S.  24.
179  Niederschrift  über  die  Sitzung  der  Kommission  für  saarländische  Landesgeschichte  und
Volksforschung  vom  5.3.1952  (wie  oben  Anm.  138),  S.  2.
180  Ebd.,  S.  If;  vgl.  oben  vor  Anm.  141.

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