verwandte man nun nicht nur Zufälliges und Eingesandtes, sondern ganze
Bildsequenzen professioneller Fotografen. Auch ging man von der bisherigen
Praxis ab, einzelne Aufnahmen verdienter und als Vorbild stilisierter Arbeiter zu
präsentieren, sondern brachte Reportagen zu einzelnen Betriebsabteilungen.
Insofern näherte sich eine Strömung der Industriefotografie dem Genre der
Reportage an - durch den "Zusammenklang von Bildern und Text", durch das
Transparentwerden des eigenen Arbeitsplatzes, den Nachdruck auf das Arbeiterleben
nach der eigentlichen Arbeit. Offensichtlich wurden die Werkszeitschriften,
die Einblicke in die harmonisch inszenierte, bis in die Freizeit reichende
"Werksgemeinschaft" gaben, intensiv gelesen, auch von Familienangehörigen.21'
Neben dem Reportageformat stehen in den zwanziger Jahren konträr und daneben
die Stilisierung von Großtechnik in der illustrierten Presse, die Bändigung
von Naturgewalten, symbolische Hinweise auf die "Schönheit der Technik",
isoliert fotografierte Großanlagen und technische Gebäude. Dies leitet sich
aus den funktionalistischen Bestrebungen im Industriebau und der "neuen
Sachlichkeit" ab. Die Firmen vergeben Aufträge an "Lichtbildner" in eben
diesem Stil, die "Fabriken ebenso wie Naturszenen oder Stadtlandschaften zu
menschenleer-erhabenen Panoramen"'11 egalisieren - ohne klare Ortsbezüge, ohne
Rauch, ohne Bewegungen. Bildbände präsentieren menschenleere Schaltanla-Abb.
6: Opel Fahrradrahmenproduktion, 1927
29 Lüdtke (Anm. 2), S. 410-413.
30 Ebd., S. 407, 426, Zitat S. 413f.
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