schied zu den verschwundenen Industrien mit häufig hoher Frauenbeschäftigung.
Erstmals gibt es ganze Serien von Fabrikarbeiterinnen im Ersten Weltkrieg,
nicht nur, weil diese in hohem Umfang in Männerarbeitsplätze einrückten,
was die bisherige Geschlechterordnung - auch auf der Ebene der
Kleiderordnung - störte, sondern auch weil ihr nützlicher Beitrag zum Krieg
dargestellt werden sollte. Die produktive und national nützliche Funktion der
Frauenarbeit rückte über Fotografien in die Öffentlichkeit: Neben den Arbeiterinnen
sind die Bilder von Straßenbahnschaffnerinnen und Krankenschwestern
ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Deshalb entstand der überwiegende
Eindruck, als ob Frauen-Fabriklohnarbeit erst im Weltkrieg auftaucht. Tatsächlich
aber hatten schon vorher Millionen Frauen in Fabriken gearbeitet. In "Frauenindustrien"
wie der Textil-, Tabak- und Keramikproduktion gibt es freilich,
auch schon vorher, auch "inoffizielle" Bilder, "Belegschaftsbilder" von Frauen,
ebenso in Abteilungen mit hohem Frauenbeschäftigtenanteil.24
Wandlungen seit den zwanziger Jahren
Obwohl in den 1920er Jahren 30.000 Arbeiter aktiv fotografierten, hatten sie in
der Regel doch keine Möglichkeit, Aufnahmen in Fabriken selbst zu tätigen, da
dies weiterhin untersagt und Innenaufnahmen immer noch technisch schwierig
waren. Aufgenommen wird eher die Familie und gerade die Entspannung von
den Arbeitsanstrengungen. Auch in der einschlägigen linken Zeitschrift
"Arbeiter-Fotograf" finden sich kaum Aufnahmen aus Werkstätten. Eine der
Ausnahmen ist "Akkord im Dreck".
Es handelt sich um die Blitzlichtaufnahme eines unbekannten Autors, bei der
die belastende Arbeitssituation an einer Stanze durch die Betonung ölverschmierter
Hände und Kleidung und die düstere Atmosphäre des Arbeitslokals
hervorgehoben wird. Man vergleiche dies mit der Sauberkeit der Kleidung,
selbst des Fußbodens, der Lichtfülle des Raumes, die in einer offiziellen Werksdarstellung
von Opel vorherrscht - es handelt sich hier im Übrigen nicht allein
um Bildinszenierung, sondern auch um reale Unterschiede.Seit der Mitte der
zwanziger Jahre zog das Interesse an der Arbeitswelt und "kleinen Leuten" auch
in den Publikumszeitschriften deutlich an. Felix H. Man erarbeitete für die
Münchner Illustrierte Presse 1929-1933 achtzig Reportagen: Schwimmbäder,
Arbeiter in Fabriken, Restaurantszenen, "die die Leser interessieren, weil sie in
diesen Bildern ihr eigenes Leben ... wiedererkennen ",25
24 Die Bildbeispiele bei Sachsse (Anm. 23) stammen - für die Forschungslage insgesamt
bezeichnend - aus der Nachkriegszeit. Nur vereinzelt wird man fündig, vgl. z.B. die
Frauenbilder um 1900 zur Übertagearbeit bei Ranke u. Korff (Anm. 23), Nr. 101-103. Zur
Frauenarbeit bei Opel 1927 vgl. "Morgen kommst Du nach Amerika". Erinnerungen an die
Arbeit bei Opel 1917-1987, hrsg. von Peter Schirmbeck. Rüsselsheim 1988, S. 170.
25 Gisèle Freund, Photographie und Gesellschaft. Reinbek 1989, S. 132; vgl. auch z.B.
Berliner Illustrierte Zeitung (1931) 45, S. 1747f über arbeitslose Bergleute; Berliner
Illustrierte Zeitung (1932) 31, S. 1029f über "Frauen in der Krise". Zum Kontext: Walter
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