Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

man  sich  ihre  soziale  Funktion  vergegenwärtigen:  eben  die,  Zusammengehörigkeit
  zur  Gruppe  zu  demonstrieren  und  zu  konsolidieren.  Eine  umfassende
Sammlung  der  Belegschaftsbilder  und  ihre  genaue  Betrachtung  wird  ergeben,
dass  ihnen  doch  mehr  an  individuellen  Umständen,  an  subjektiven  Reaktionen
und  Lebensplänen  im  industriellen  Lebenslauf  zu  entnehmen  ist,  als  man  bislang
  angenommen  hat.2'
Auffällig  bei  der  offiziellen  Industriefotografie  ist  das  spärliche  und  historisch
verspätete  Auftreten  von  Arbeiterinnen.  Zum  einen  hat  dies  damit  zu  tun,  dass
bei  allen  Dokumentationen,  die  auf  Qualitätsarbeit  und  Facharbeit  abheben,
Frauen  als  Ungelernte  von  vornherein  ausgeblendet  werden.  Oder  geht  es
darum,  dass  sich  Fabrikarbeiterinnen  weniger  mit  ihrer  Arbeit  identifizieren  als
die  Männer?  Wenn  Frauen  insgesamt  in  der  Bildüberlieferung  unterrepräsentiert
sind,  hat  dies  auch  mit  der  Branchenzusammensetzung  zu  tun:  In  der  Stahl-  und
Elektroindustrie  mit  hohem  Anteil  männlicher  Facharbeiter  wurde  viel  fotografiert,
  da  es  klare  Interessen  der  Arbeitgeber  an  diesem  Medium  gab,  außerdem
blieben  bis  heute  etliche  Werksarchive  in  diesen  Branchen  erhalten,  im  Unter-Abb.

  4:  Frauen  in  der  keramischen  Industrie,  Nordsaar

23  Darauf  deuten  etwa  die  Beispiele  bei  Rolf  Sachsse,  Mensch  -  Maschine  -  Material  -  Bild.
Eine  kleine  Typologie  der  Industriefotografie,  in:  Industrie  und  Fotografie.  Sammlungen  in
Hamburger  Unternehmensarchiven,  hrsg.  von  Lisa  Kosok  u.  Stefan  Rahner.  Hamburg/München
  1999,  S.  85-131,  hier  S.  85-97  und  bei  Winfried  Ranke  u.  Gottfried  Korff,
Hauberg  und  Eisen.  Landwirtschaft  und  Industrie  im  Siegerland  um  1900.  Kommern  1981,
Nr.  104,  132.

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