Arbeit), werden in der inoffiziellen Industriefotografie
die Menschen sichtbarer - in ihrer Lage, ihren Moti
ven, ihren individuellen Ausprägungen. So existiert
eine nichtkontrollierte, unwillkürliche Subjektivität
von partiell ungewollt porträtierten Arbeitenden, die
dem unbedingten Anspruch der offiziellen Industriefotografie,
perfekt zu sein, entgegensteht.
Belegschaftsbilder wirken freilich auf uns heute sehr
wenig "subjektiv", sondern erscheinen sehr starr.
Tatsächlich folgen sie einer strengen Konvention, für
sie gilt, was Pierre Bourdieu über Gruppenporträts
allgemein sagt: "Die Konvergenz der Blicke und die
geordnete Aufstellung der Abgebildeten zeugen objektiv
vom Zusammenhalt der Gruppe ... Dem Respekt
vor der Etikette vergleichbar, ist die Frontalität
ein Mittel, die eigene Objektivierung selbst zu betreiben".Die
hölzernen, weit gehend dekontextualisierten,
hierarchiebetonten, vor den Fabrikgebäuden im Freien erstellten "Belegschaftsbilder"
sind in der Regel das Einzige, was aus kleineren Firmen an
Industrie- und Arbeiterfotografie erhalten blieb. Trotz dieser Hölzernheit sollte
Abb. 2: Weg zum
A rbeitsplatz,
undatiert
Abb, 3: Friedrichsthaler Glashütte um 1900
22 Pierre Bourdieu, Die gesellschaftliche Definition der Photographie, in: ders. u.a.
(Anm. 14), S. 85-110, hier 93, 95.
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