jedoch weder ein richtiger Gesamtplan noch eine wirkliche Untersuchung des
Bedarfs. Wie gezeigt, wurde die Baunotwendigkeit durch die Unternehmen im
Hinblick auf die erforderlichen Arbeitskräfte und die Instabilität der Arbeiter
gesehen, doch ohne regelrechte Berechnung der benötigten Bauten auf der
Grundlage der vorgesehenen Arbeiterzahl, sei es kurz- oder langfristig.
Gleiches gilt für die dafür aufgewendeten Finanzmittel. Die Akten zeigen deutlich,
dass die finanziellen Erträge der Industriebetriebe zu trennen sind von ihren
Bemühungen im Wohnungswesen. Die Zahlen für das Hüttenwerk von Joeuf
belegen, dass zwischen guter oder schlechter Situation des Unternehmens
einerseits und seinen Investitionen tur Arbeiterhäuser andererseits keine direkte
Verbindung bestand. 1901 betrug der Firmenüberschuss etwa 2,6 Millionen
Francs bei Aufwendungen für die Siedlungen von 238.590,54 Francs; für 1903
waren die Zahlen 4,6 Millionen gegen 16.863 Francs. Auch äußere Ereignisse
konnten einen kurzfristigen Einfluss auf diese Position haben. So löste im
Allgemeinen die Ansiedlung eines neuen Unternehmens oder die Erweiterung
einer bestehenden Gesellschaft einen Eindruck von Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt
aus und führte die Baunotwendigkeit vor Augen. Gleiches konnte ein
Sozialkonflikt bewirken. Die Streiks von 1906 und 1907 in der lothringischen
Metallindustrie veranlassten die Unternehmen zu stärkeren Anstrengungen für
eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter, die sich im Wohnungssektor
deutlich niederschlugen.
Es ist praktisch unmöglich, ein Modell des Bauprozesses in den Unternehmen
zu entwerfen, in welchem Aktivitätssektor auch immer. Denn ob man die Finanzierungsprobleme
für die Siedlungen oder die Entscheidungsebene heranzieht,
nichts von beidem führt weiter. Es gab keine wirkliche Regel in diesem
Bereich, und die Interpretation der Arbeitersiedlungen als Resultat eines bewussten
Vorgehens zur Reglementierung und Beherrschung der Arbeiterklasse lässt
sich nicht aufrechterhalten. Das um so mehr, als die Arbeitersiedlungen - im
Gegensatz zur Legende - keineswegs alle Arbeiter aufzunehmen vermochten. In
der Metallindustrie, sogar bei de Wendel, gelangte man selten über 20% der
Arbeiter hinaus, die eine Wohnung erhielten. Anders ausgedrückt: 80% der
Arbeiter waren dieser Maschine zur Domestizierung des Proletariats, welche die
Arbeitersiedlungen angeblich darstellten, nicht unterworfen. Paradoxerweise
lagen die entsprechenden Anteile bei den höheren Angestellten und den übrigen
Angestellten am höchsten. Bei den Arbeitern war der relativ größte Anteil im
Eisenerzbergbau mit Wohnungen versorgt. Allerdings erfolgte dies häufig durch
Untermietverträge, die eine Familie und vier Hilfsbergleute in einer Drei-Zimmer-Wohnung
aufzunehmen erlaubte. Wieder sind hier Forschungen unbrauchbar,
die vorgeben, dass die Unternehmen sich in eine rational entwickelte Gesellschaftsorganisation
mit den Mitteln der Raumkontrolle und der Trennung der
vollständige Siedlung in zwei Jahren und brachte die Bergleute entsprechend dem Fortschritt
der Baustelle zunächst in provisorischen Baracken unter.
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