anderen überging die Werbepräsentation die Tatsache, dass die Unternehmen
nicht alle dieselben Bedingungen boten, untereinander geradezu in Konkurrenz
standen und ständig ihre jeweiligen Angebote regelrecht ausspionierten.
In der Tat war die Konkurrenz ein weiterer wesentlicher Grund für den Bau von
Arbeitersiedlungen. Es war ein Grund, der für sämtliche Branchen galt, vom
Textil bis zur Kohle über den Bergbau- und die Metallindustrie. Der Hinweis auf
die anderen Betriebe war ein Leitmotiv der Vorstände und ihrer Bauentscheidungen.
Die Hochöfen von Chiers beispielsweise bauten nicht viel, doch wachten
sie 1892 auf: "Der Direktor informierte den Vorstand, dass angesichts der zahlreichen
umliegenden Fabriken die Arbeiterschaft an den Betrieb gebunden
werden und dafür dringend in der Fabrik untergebracht werden müsse; dafür sei
der Bau von zwölf Arbeiterwohnungen im Jahre 1893 erforderlich."10 1895 war
die Hütte von Joeuf beunruhigt aufgrund der Pläne der Fabriken von Pompey
und Villerupt zum Bau von Stahlwerken. 1897 fürchtete sie die Fabriken von
Homécourt und Auboué: "... wir treiben derzeit den Bau von Wohnungen für
unsere Bergleute in Génibois voran; die Arbeiten von Monsieur Sepulchre in
Homécourt und Monsieur Roge in Auboué haben in der Region einen solchen
Mangel an Arbeitskräften und Wohnungen bewirkt, dass wir den Arbeitern, die
wir halten wollen, dringend Wohnraum verschaffen müssen."1'
War ein Arbeiter für die Fabrik gewonnen, so musste man ihn "stabilisieren",
wie man in den Unternehmensunterlagen meistens sagte. Das waren keine leeren
Worte angesichts der Mobilität vor allem der italienischen Arbeiterschaft.12 Die
meisten Unternehmen sahen eine enge Verbindung zwischen Unterkunft und
Stabilität ihrer Belegschaft. Damit begründeten beispielsweise die Rombacher
Hüttenwerke1' ihre Bautätigkeit sowohl 1894 als auch 1901. Dem Bericht des
Bergbauingenieurs des Departements Meurthe-et-Moselle zufolge belief sich der
tägliche Absentismus 1911 auf 18% der offiziellen Belegschaften. In den Eisenerzgruben
des Bassin von Briey lag der Instabilitätskoeffizient 1926 bei 93%.
Die Société de Mines de Saint-Pierremont à Moncieulles, die als spät gegründetes
Unternehmen14 die Erfahrung der anderen Gesellschaften nutzen konnte,
unternahm während des Baus ihrer Arbeitersiedlung gründliche Untersuchungen.
Eine von ihnen ergab, dass der Absentismus unter den mit Wohnungen
versehenen Bergarbeitern halb so hoch lag wie in der Gesamtbelegschaft,15
woraufhin der Vorstand die Investitionen im Arbeiterwohnungsbau fortsetzte.
10 Hauts-fourneaux de la Chiers, Conseil d’administration, 13.10.1892 (ADMM 1144 W). Der
Text ist tatsächlich so verfasst.
11 Forges de Joeuf, Procès-verbal de l’Assemblée générale (AG) des actionnaires, 29.4.1895
(EAUS versement 111, carton 6).
12 Piero-Di Galloro, Ouvriers du fer, princes du vent. Metz 2002.
13 Jahresbericht für die Aktionärshauptversammlung (ADMos 21 AL 85).
14 Sie begann die ersten Gruben 1907 anzuhauen.
15 Conseil d’administration, 2.12.1912 (EAUS versement 44/760).
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