Pays-de-Briey die Entdeckung der Eisenerzvorkommen einen Wettlauf um die
Minette beginnen, das an Eisen relativ arme lothringische Eisenerz. Die Bergbaustadt
Tucquegnieux wuchs in den Jahren 1901 bis 191 l3 von 396 auf 2565
Einwohner. An der Grenze zum Departement Meuse entwickelte Bouligny sich
ähnlich: 318 und 2660 Einwohner in diesen Jahren. Obwohl die Bevölkerung
des Steinkohlebeckens und der Textiltäler der Vogesen gleichmäßiger wuchs,
stellten sich dort dieselben Probleme. Ganz offensichtlich musste also mehr
gebaut werden, doch war damit noch nicht klar, ob das Aufgabe der Unternehmen
war - nicht jeder war davon überzeugt. So wünschte die Manufaktur von
Saint-Maurice in Senones (Departement Vosges), dass ihre Arbeiter selbst bauten
mit ihrer Unterstützung, doch sie sah sich schließlich zu eigener Bautätigkeit
gezwungen: "Die Arbeiter haben unser Angebot zinsgünstiger Vorschüsse für
den Bau ihrer eigenen Häuser nicht angenommen, und ebenso haben die Hausbesitzer
die günstigen Kredite zum Umbau ihrer Häuser in Arbeiterwohnungen
mit durch uns garantierten Mieten meist zurückgewiesen. In diesen Hoffnungen
sind wir also enttäuscht worden, und wir sahen uns zum Bau einer großen Zahl
von Häusern gezwungen sowie - soweit möglich - zum Kauf von Grundstücken,
deren Nähe die Arbeit unserer Fabrik behinderte."4
In manchen Fällen erleichterte die Tradition die Bautätigkeit, vor allem in der
Glas- und Kristallindustrie, in der sich die alte Gewohnheit einer dicht an den
Glasöfen wohnenden, langfristig beschäftigten Facharbeiterschaft im 19. Jahrhundert
fortsetzte. Noch 1900 erwähnte die Cristallerie Baccarat in einer Broschüre
diese Tradition: "Die Glasarbeiter sind nach alter Gewohnheit kostenlos
innerhalb der Fabrik untergebracht, ebenso die Angestellten, Vorarbeiter und
einige spezialisierte Arbeiter [ouvriers spéciaux], die ständig zur Verfügung zu
haben nützlich ist."'
Neben den unmittelbar einsichtigen materiellen Problemen der unzureichenden
Wohnungssubstanz stellte sich jedoch ebenso die Frage des Arbeitsmarktes. Die
lokalen Arbeitskräfte reichten für eine dauerhafte Industrialisierung nicht aus,
und so wurden seit Beginn des II. Kaiserreiches die Industriezonen zu Imrnigrationsgebieten.
Zunächst kamen die Arbeiter aus der Nachbarschaft: dem Bitscher
Land, der Eifel, der bayerischen Pfalz, aus Belgien. Nach dem Aufschwung der
Stahlproduktion mit dem Thomas-Gilchrist-Verfahren wurden Arbeiter aufgrund
ihres Fachwissens aus Burgund angeworben. Seit den 1890er Jahren stellten
einwandernde Italiener den größten Teil der neuen Arbeitskräfte, nach dem
Ersten Weltkrieg folgten Polen und andere mittel- und osteuropäische Völker.
Unabhängig von ihrer Herkunft kennzeichnete all diese Arbeiter ihre große
Mobilität. Ihr Aufenthalt in Lothringen war von sehr unterschiedlicher und nicht
3 Die Volkszählungsdaten differieren, weil einige Gemeinden auf deutschem und andere auf
französischem Gebiet lagen.
4 Manufacture de Saint-Maurice, Assemblée générale extraordinaire, 20.4.1874 (ADV 93 J).
5 Notice sur la cristallerie de Baccarat, in: Weltausstellung 1900. o.O. 1900, S. 11.
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