Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Bei  entsprechend  geeigneten  Objekttypen  sollte  angestrebt  werden,  eine  industriemuseale
  Nutzung  mit  einer  Fortführung  bzw.  Reaktivierung  der  vormaligen
Produktion  zu  verknüpfen.  Ein  diesbezügliches  Beispiel  ist  die  Stott  Park
Bobbin  Mill  in  Nordwest-England,  ein  1971  aufgegebener  Betrieb  zur  Herstellung
  hölzerner  Garnspulen,  der  sich  heute  selbst  als  "working  museum"
bezeichnet.
Für  betriebsbezogene  industriemuseale  Nachfoigenutzungen  kommen  prinzipiell
nicht  nur  museal  aufbereitbare  Gebäude,  Produktionsanlagen  und  Flächen
stillgelegter  Betriebe  in  Frage.  Auch  etliche  funktionslos  gewordene  Gebäude
und  Anlagen  noch  produzierender  Betriebe  bergen  entsprechende  Potenziale.
Derartige  Relikte  bieten  traditionsbewussten  Unternehmen  Gelegenheit,  Betriebsmuseen
  zu  etablieren,  die  einen  bestimmten  Teil  der  jeweils  maßgeblichen  Betriebsgeschichte
  in  materiell-authentischer  Form  präsentieren.  Handelt  es  sich  um
Betriebe,  für  die  der  so  genannte  "Direktverkauf'  eine  nennenswerte  Einnahmequelle
  darstellt  respektive  darstellen  kann,  können  sich  mittels  attraktiver  Betriebsmuseen
  außerdem  auch  absatzfördernde  Wirkungen  erzielen  lassen.
Abschließend  sei  noch  auf  sonstige  Typen  möglicher  Nachfolgenutzungen
aufmerksam  gemacht.  Diese  umfassen  über  die  schon  des  Öfteren  verwirklichte
Umnutzung  zu  Wohnzwecken  hinaus  auch  eine  Reihe  anderer  -  eher  exzeptioneller
  -  Neunutzungen,  Wie  die  Erfahrungen  der  letzten  Jahre  deutlich  gemacht
haben,  lassen  sich  diesbezüglich  der  Fantasie  so  gut  wie  keine  Grenzen  setzen.

Potenzielle  Inwertsetzungen  und  rudimentäre  Nutzungen
Bei  vielen  erhaltenswerten  industriekulturellen  Relikten,  für  die  aktuell  oder
sogar  grundsätzlich  keine  unmittelbare  Nachfolgenutzung  zu  realisieren  ist,
besteht  immerhin  die  Möglichkeit,  sie  durch  publikumswirksame  Inwertsetzungen
  zu  interessanten  Erlebnisorten  für  die  ansässige  Bevölkerung  -  und  zum
Teil  auch  für  Kulturtouristen  -  zu  entwickeln.  Diesbezügliche  Beiträge  können
z.B.  attraktive  Musikveranstaltungen  unterschiedlichster  Art,  Theateraufführungen,
  Open-Air-Filmvorführungen,  Lichtinstallationen,  Kunstfeuerwerke,  Feste,
Flohmärkte  usw.  leisten.
Abgesehen  von  intendierten  Tourismus  fördernden  Effekten  besteht  ein  wichtiges
  mit  solchen  Inwertsetzungen  zu  verfolgendes  Ziel  darin,  die  dem  betreffenden
  Relikt  seitens  der  Allgemeinheit  entgegengebrachte  Wertschätzung  merklich
zu  erhöhen.  Im  Falle  eines  in  seinem  Bestand  gefährdeten  Objektes  könnte  eine
entsprechend  ausgeprägte  Verankerung  im  kollektiven  Bewusstsein  die  nicht
unerwünschte  Wirkung  zeigen,  in  der  autochthonen  Bevölkerung  massive
Widerstände  gegen  eine  vorgesehene  Beseitigung  des  Objektes  hervorzurufen.4’

43 Erfahrungsgemäß  ist  bei  zunehmender  Wertschätzung  durch  die  Allgemeinheit  auch  mit
einem  stärkeren  Problembewusstsein  auf  Seiten  der  politischen  Entscheidungsträger  zu
rechnen.

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