Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

In  industriell  geprägten  Räumen  -  wie  auch  in  anderen  Räumen  mit  starkem
Veränderungsdruck  -  ist  die  Bewahrung  kulturhistorischer  Relikte  für  sich  allein
genommen  sicherlich  kein  Garant  für  eine  nachhaltige  kulturlandschaftliche
Identitätserhaltung.  Die  reinen  Konservierungsmaßnahmen  bedürfen  daher
komplementärer  Maßnahmen  der  Steuerung  rezenter  und  zukünftiger  raumwirksamer
  Veränderungsprozesse.35  Im  Mittelpunkt  steht  dabei  die  Intention,  kulturlandschaftlich
  diskordanten  Prozessen  -  d.h.  sich  unabhängig  von  individuellen
  Raumstrukturen  in  vielen  Räumen  desselben  Typs  nahezu  gleichartig  vollziehenden
  Transformationsprozessen  -  wirksam  entgegenzutreten  und  zugleich
darauf  hinzulenken,  dass  neue  kulturlandschaftlich  relevante  Entwicklungen  die
historisch  gewachsenen  Grundstrukturen  so  weit  wie  möglich  nicht  beschädigen,
  sondern  aufnehmen  und  sich  in  ihnen  vollziehen.36 37  Darüber  hinaus  gilt  es
aber  auch,  an  die  Grundstrukturen  angepasste  -  kulturlandschaftlich
akkordante  -  Weiterentwicklungen  zu  initiieren.’  Als  Instrumente  zur  Erzielung
der  gewünschten  Steuerungseffekte  kommen  insbesondere  am  Prinzip  "Erhaltung
  durch  Entwicklung"  ausgerichtete  räumliche  Planungen  und  regionale
Entwicklungskonzeptionen  in  Betracht.38
Neben  Lenkungsmaßnahmen  auf  der  landschaftsräumlichen  Aktionsebene  der
Kulturlandschaftspflege  können  auf  der  objektbezogenen  Handlungsebene
ebenfalls  wichtige  Beiträge  im  Sinne  einer  "Erhaltung  durch  Entwicklung"
geleistet  werden.  Hierzu  gehören  in  industriell  geprägten  Räumen  vor  allem
Maßnahmen  der  Umnutzung  und  Inwertsetzung  von  industriekulturellen  Relikten.


Mögliche  Umnutzungen  und  Inwertsetzungen  industriekultureller  Relikte
Mit  "Umnutzung"  wird  im  Weiteren  die  Realisierung  einer  Nachfolgenutzung
bezeichnet,  wobei  "Nachfolgenutzung"  als  eine  auf  die  originäre  Funktion
folgende  Nutzung  verstanden  wird.  "Inwertsetzung"  bedeutet  allgemein,  einer
Sache  durch  gezielte  Maßnahmen  eine  positive  Bedeutung  zu  verschaffen  bzw.
wiederzugeben.  Im  Falle  industriekultureller  Relikte  kann  diese  positive  Bedeutung
  z.B,  in  einem  künstlerischen  Wert,  in  einem  ästhetischen  Wert  oder  in
einem  Freizeit-  und  Erlebniswert  liegen.

35  Vgl.  Jelier  Vervloet,  Die  Niederlande  zwischen  Intensivierung  und  Wahrung  ihrer  kulturlandschaftlichen
  Identität,  in:  Kulturlandschaften  in  Europa  -  Regionale  und  Internationale
Konzepte  zu  Bestandserfassung  und  Management.  Dokumentation  einer  Tagung  am  29.  und
30.  März  2001  beim  Kommunalverband  Großraum  Hannover,  hrsg.  vom  Kommunalverband
Großraum  Hannover.  Hannover  2001  (=  Beiträge  zur  regionalen  Entwicklung;  92),  S.  73-79,
hier  S.  75.
36  Vgl.  Quasten  u.  Wagner  (Anm.  15),  S.  253.
37  Vgl.  Vervloet  (Anm.  35),  S.  75.
38  Vgl.  dazu  u.a.  Hubert  Job,  Gerhard  Stiens  u.  Doris  Pick.  Zur  planerischen  Instrumentierung
  des  Freiraum-  und  Kulturlandschaftsschutzes,  in:  Erhaltung  (Anm.  13),  S.  399-416,
hier  S.  413;  Quasten  u.  Wagner  (Anm.  15),  S.  277f;  Vervloet  (Anm.  35),  S.  75f.

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