retl umso mehr, je stärker das touristische Angebot einer Region auf kulturtouristische
Aktivitäten ausgerichtet ist.
Nicht wenige industriell geprägte Räume konzentrieren ihre touristischen Bemühungen
in den letzten Jahren vermehrt auf das Marktsegment "Industrietourismus",
eine Variante des Kulturtourismus.20 Auf der Nachfrageseite des Industrietourismus
dominieren - abgesehen von Geschäftsreisenden - in erster Linie
typische Nachfragemuster von Biidungs- und Besichtigungstouristen auf der
einen sowie von erlebnisorientierten Touristen auf der anderen Seite.21 Der
Reisemotivation von Biidungs- und Besichtigungstouristen liegt zumeist der
Wunsch nach einer intellektuellen Auseinandersetzung mit der Industriegeschichte,
den industriekulturellen Spezifika, den industriellen Objekten und der
industrielandschaftlichen Eigenart einer "fremden" Region zugrunde. Demgegenüber
stehen die vorwiegend hedonistischen Nachfragemuster erlebnisorientierter
Touristen. Diese sind vielfach geleitet von einem fortwährenden Streben nach
Neuem, Außergewöhnlichem, Vielfalt, Spannung und Animation22 und zielen
somit primär auf die Erzeugung von Emotionen ab. ln industriell geprägten
Räumen können entsprechende Emotionen z.B. geweckt werden durch die
ästhetischen Gestaltqualitäten zahlreicher industriekultureller Zeugnisse, durch
die imposanten Dimensionen bestimmter Industriegebäude und -anlagen, durch
zuvor unbekannte Geräuschkulissen, durch die fesselnde Wirkung exzeptioneller
Besichtungsobjekte - wie etwa bergbauliche Untertageanlagen - oder auch
durch eine besondere Qualität der Informationsdarbietung in Industriemuseen.
Kulturlandschaftliche Identitätserhaltung im Spannungsfeld zwischen
Persistenz und Transformation
Zur Realisierung des Zieles einer nachhaltigen kulturlandschaftlichen Identitätserhaltung
sind grundsätzlich mehrere Vorgehensweisen denkbar. Die vermeintlich
konsequenteste und am weitesten gehende Alternative besteht in einer
großflächigen Musealisierung kompletter Kulturlandschaften. Würde ein solcher
Weg bestritten, hätte dies aber nicht nur für eine bestimmte Zeit Stagnation zur
Folge, sondern es würde letzten Endes zum Verlust der Identität der betreffenden
Kulturlandschaften und zu deren Destruktion führen. Die "letale" Wirkung von
Totalkonservierungen liegt darin begründet, dass zum Wesen einer jeden Kulturlandschaft
auch ihre stetige Weiterentwicklung in Anpassung an sich ver¬20
Vgl. Martin L. Fontanari u. Martina Weid, Industrietourismus als Instrument zur Positionierung
im Wettbewerb der Destinationen, in: Industrietourismus im Wettbewerb der
Regionen. 7. Tourismus-Forum Luxemburg, hrsg. von Martin L. Fontanari, Mathias Treinen
u. Martina Weid. Trier 1999 (= ETI-Texte; 14), S. 11-26, hier S. 16.
21 Vgl. Bruno Benthien, Geographie der Erholung und des Tourismus. Gotha 1997, S. 99;
Matthias Kuom, Robert Gaßner u. Britta Oertel, Tourismus und Technik. Baden-Baden 1999
(= ZukunftsStudien; 21), S. 71-90.
22 Vgl. Kuom, Gaßner u. Oertel (Anm, 21), S. 71f.
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