Den sozialen Triebfedern ist vornehmlich das Bestreben zuzuordnen, wirksame
Beiträge zur Befriedigung verschiedener - für ein positives emotionales Erleben
von Kulturlandschaften relevanter - Bedürfnisse der jeweiligen autochthonen
Bevölkerung zu leisten.’7 Ein besonderes Gewicht ist im vorliegenden Zusammenhang
dem Bedürfnis nach einer raumbezogenen Identifikation im Sinne
einer emotionalen Bindung an die eigene lokale und regionale Lebenswelt
beizumessen.
Die Entstehung raumbezogener Identifikation ist unter anderem an das Vorhandensein
kollektiver Raumsymbole geknüpft, ln ihren Bedeutungsinhalten
stehen sie z.B. für spezifische Eigenschaften des betreffenden Raumes oder für
dessen kulturhistorische Entwicklung'* und können daher die jeweilige Gemeinschaft
und ihre einzelnen Mitglieder in einen kulturlandschaftlichen Kontext
einbeziehen. Dies verdeutlicht, dass gerade die bereits angesprochenen Kulturlandschaftsmerkmale
von hoher Eigenartbedeutung signifikante Symbolträger
darstellen können. Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein entsprechendes
Merkmal mit einem kollektiven symbolischen Bedeutungsinhalt aufgeiaden
werden kann, ist in der Regel dessen weitgehende Konstanz über einen längeren
Zeitraum. Aus diesem Grunde kommt im Hinblick auf die Befriedigung des
raumbezogenen emotionalen Bedürfnisses nach Identifikation der Erhaltung
authentischer historischer Kulturlandschaftsmerkmale ein herausragender Stellenwert
zu. ln industriell geprägten Räumen ist das Augenmerk demnach hauptsächlich
auf die Bewahrung derjenigen industriekulturellen Einzelobjekte und
Beziehungsgefüge zu richten, welche die jeweils spezifischen sinnlich wahrnehmbaren
Grundstrukturen des rezenten oder vormaligen Industriebesatzes
mitprägen bzw. mitgeprägt haben.
Unter ökonomischen - vor allem regionalwirtschaftlichen - Gesichtspunkten
kann sich die Motivation für die kulturlandschaftliche Identitätserhaltung unter
anderem darauf gründen, dass kulturlandschaftliche Identität durchaus als ein
"weicher" Standortfaktor wirken kann und speziell derartigen Faktoren in der
jüngeren Vergangenheit eine steigende Bedeutung bei unternehmerischen
Standortentscheidungen zuteil wird.1'' Des Weiteren kann kulturlandschaftliche
Identität auch von erheblicher Relevanz für eine erfolgreiche Positionierung im
zunehmenden Wettbewerb der touristischen Destinationen sein. Dies gilt gene-17
Vgl. Juan Manuel Wagner, Zur emotionalen Wirksamkeit der Kulturlandschaft, in:
Kulturlandschaftspflege (Anm. 3), S. 59-66, hier S. 60-65; Wagner (Anm. 3), S. 41-53.
18 Vgl. Paul Reuber, "Ihr parkt auf meinen Erinnerungen" - zur Rolle der räumlichen
Umwelt für die Entstehung von Ortsbindung, in: Zuhause in der Großstadt. Ortsbindung und
räumliche Identifikation im Verdichtungsraum Köln, hrsg. von Hans Gebhardt u. Günther
Schweizer. Köln 1995 (= Kölner Geographische Arbeiten; 61), S. 61-74, hier S. 71.
!9 Vgl. dazu u.a. Gerhard Curdes, Kulturlandschaft als "weicher" Standortfaktor. Regionalentwicklung
durch Landschaftsgestaltung, in: Erhaltung (Anm. 13), S. 333-346, hier S. 342f;
Gerhard Stiens, Veränderte Sichtweisen zur Kulturlandschaftserhaltung und neue Zielsetzungen
der Raumordnung, in: Erhaltung (Anm. 13), S. 321-332, hier S. 324f,
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