Full text: Forschungsaufgabe Industriekultur

im Konfliktfall wohl zugunsten von Archivalienerhalt und -erschließung nicht 
nur nützlich, sondern auch von Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem 
Informationsrecht der Allgemeinheit und der Wissenschaften geprägt. Pflegte 
sich doch im Staatsarchiv der Sachverstand für Bewahrung, Erschließung und 
Zugänglichkeit von Archivalien zu konzentrieren. 
Die nunmehrige Spitzenstellung von Archivaufgaben für die Historische Kom¬ 
mission erhielt besondere Sprengkraft durch die Tatsache, dass der damalige 
Landesarchivar Dr. Walter Lauer auch Geschäftsführer und Stellvertretender 
Vorsitzender des gerade wieder zugelassenen "Historischen Vereins für das 
Saarland e.V. - gegründet 1839" war und schon mehrfach eine Quasi-Kon¬ 
frontation mit Eugen Meyer erlebt hatte. Vielleicht angeregt durch den - al¬ 
lerdings kurzlebigen - "Verein zur Erforschung von Alterthümern in den Kreisen 
Ottweiler und St. Wendel", der 1836 in St. Wendel gegründet worden war, hatte 
seit 1839 der "Historisch-antiquarische Verein fiür die Städte Saarbrücken und 
St. Johann sowie deren Umgebung" bestanden und 1881 den Namen "Histori¬ 
scher Verein für die Saargegend" angenommen.88 Dessen Bezeichnung war 
nunmehr geringfügig geändert worden, als solle der derzeitigen politischen 
Namensgebung Rechnung getragen werden. Dass Meyer darauf nicht einging, 
verriet an sich schon Reserve gegenüber der Wiederbelebung. Und dass Lauer 
der neuen Vereinszeitschrift einen "Beitrag zur über 100jährigen Geschichte des 
Historischen Vereins für das Saarland""9 beigab, und zwar zusätzlich zu und 
unabhängig von einem Aufsätzchen über "Sulzbach am Ende des 18. Jahr¬ 
hunderts",90 ließ erkennen, dass man auch genauer als Meyer rechnen konnte. 
Ab wann Meyer wusste, dass an Ministerpräsident Johannes Hoffmann als 
Ehrenvorsitzenden des wiederbelebten "e.V. - gegründet 1839" gedacht war, ja, 
ob dieser Gedanke vor dem Zulassungsschreiben des Kreisdelegierten vom 10. 
August 195 091 überhaupt schon geäußert worden war, bleibt derzeit offen. Erst 
am 24. Juli 1950 hatte es in der Saarländischen Präsidialkanzlei ein Gespräch 
über die Wiederzulassung des Vereins gegeben; während seines Verlaufs hatte 
Dr. Hans Groh, Regierungsrat im Kultusministerium und aus den Berufungs¬ 
verhandlungen recht gut mit Meyer bekannt, dem als Universitätsvertreter anwe¬ 
senden Eugen Meyer vor Dritten die Frage gestellt, ob angesichts von dessen 
Kommissionsplänen der Historische Verein überhaupt noch nötig sei. Die 
Antwort scheint insofern positiv ausgefallen zu sein, als Meyer bei der schlie߬ 
lich gefundenen Regelung über das Vereinsvermögen mitwirkte, und zwar im 
88 Erich Nolte, Bilder aus der Vergangenheit des Historischen Vereins für die Saargegend, 
in: Zs. für die Geschichte der Saargegend 9 (1959), S. 11-33, hier S. 11, 17 und 29 bzw. 27 
- mit "Faksimile der Gründungsurkunde vom 22.X. 1839 [samt den] Originalunterschriften der 
[67] Gründungsmitglieder", ebd., S. 12-15, Abb. 1-4. Die Regierungsgenehmigung von 1840 
hatte "Umgegend"; ebd., S. 18. 
89 Zs. für Saarländische Heimatkunde 1 (1951), S. 111-129, 
90 Ebd., S. 39-48. 
91 Lauer (Anm. 89), S. 128. 
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