eine nationale Stimmung vor, in der die USPD als Partei der Frankensöldlinge
stigmatisiert wurde. Die entsprechenden Kreise im BAV verloren an Einfluss.
Innerhalb des Verbandes zeigte sich eine nationalere Orientierung um Hermann
Petri und Julius Schwarz, die politisch in der SPD verankert war. Einige Mitglieder
aus BAV. der USPD und der KPD hatten den Hunderttagestreik gebrochen,
so legten die BAV-Sekretäre Karl Krämer und Emil Becker ihre Ämter mit
der Losung nieder "[...] Los von Bochum! Los von Essen! Hinein in den Verband
der Saarbergleute".44 Das französische Außenministerium fragte beim
Präsidenten der Regierungskommission Viktor Rault an, wie die Gründung
einer rein saarländischen Gewerkschaft zu realisieren sei. Rault entgegnete, dass
ein eigener Verband schon gegründet worden sei, aber sehr schwach sei und nur
dann erfolgreich sein könne, wenn ausschließlich er als Verhandlungspartner
anerkannt werde.45
Der Versuch "Verband der Saarbergleute" scheiterte kläglich, Becker und Krämer
wurden zu Hassfiguren und Krämer aus der SPD und der Saarbrücker Stadtverordnetenfraktion
ausgeschlossen.46
Nationalistische Denkweisen verbreiteten sich in der Arbeiterschaft immer stärker
und insbesondere ab 1923 wurde auch der Tag der Arbeit zu einem Tag des
nationalen Bekenntnisses. Vermittelnde und differenzierte Positionen wie sie
innerhalb der Saar-SPD vertreten wurden, hatten in einem extrem angespannten
politischen Klima nur geringe Chancen. Einschwören und Mobilisieren war
angesagt,47 diskursive Formen der Auseinandersetzung waren unüblich. Auch
diese bereits von Anfang an in der politischen Kultur verbreitete Haltung unterstützte
nationalistische Denkweisen. Die Kräfte im BAV, die zwar eine nationale
Position einnahmen, aber deutlich weniger nationalistisch eingestellt waren als
das Zentrum und die christlichen Gewerkschaften, konnten ihre Position zunehmend
schwerer vermitteln. Der Bochumer Zentrale erschien der BAV Ende 1923
als ein "aktionsunfähiger Trümmerhaufen", zumindest für die Folgezeit bestätigte
der dramatische Mitgliederschwund diese Einschätzung, sanken doch die Mitgliederzahlen
von ca. 40.000 im Jahr 1923 auf nur noch 35.000 im Jahr 1924
und schließlich gar auf 18.600 im Jahr 1931.48 Gerade die durch die Weltkriegserfahrung
und die Arbeiterräte gestützten internationalistischen Denkweisen
wurden immer mehr zurückgedrängt.
In der politischen Kultur war der Internationalismus diskreditiert. Man fühlte
sich unterdrückt und deutete die Gegenwart mit einem Vokabular aus "Kolonie-44
Mallmann u. Steffens (Anm. 4), S. 157.
45 MAE an Rault ( MAE, Doss. 119, Bl. 71); Note vom 18.4.1923 (MAE, Doss. 119, Bl. 78),
siehe zu den Verbindungen zum Saarbund: Peter Lempert, "Das Saarland den Saarländern!”.
Die frankophilen Bestrebungen im Saargebiet 1918-1935. Köln 1985, S. 123.
46 Mallmann u. Steffens (Anm. 4), S. 180.
47 Linsmayer (Anm. 37), S. 269-272,
48 Mallmann u. Steffens (Anm. 4), S. 158.
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