1953, dass Gewerkschafts- und Arbeitgeberseite bei der Richterbesetzung ein
Mitwirkungsrecht erhielten. Durch das 1951 geschaffene Kündigungsschutzgesetz
setzte eine Verdichtung des Arbeitsrechts ein, die Ende der 60er Jahre noch
erhöht wurde. Die Verbesserung des Kündigungsschutzes 1969, das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz
von 1972 und das Gesetz über Betriebsärzte und Sicherheitsingenieure
sowie die Weiterentwicklung des Schwerbehindertengesetzes
von 1974 seien hier bespielhaft genannt.36 37 Ab 1957 hatte auch das
Saarland Anteil an dieser Entwicklung, die Arbeitnehmerrechte stärkte und die
Arbeitswelt humanisierte.
Mitbestimmung, Tarifvertragsgesetzgebung sowie Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit
haben ganz wesentlich zur Demokratisierung der Gesellschaft beigetragen.
Sie wirkten in der Bundesrepublik ab den 50er Jahren zusammen und
schufen eine neue Stabilität in der Arbeitswelt, die ganz wesentlich auch zur
Ausbildung der Mittelstandsgesellschaft beigetragen hat. Die Gewerkschaften
wuchsen dabei in die Rolle eines Ordnungsfaktors hinein. Sie konnten zunehmend
mitgestalten, übernahmen aber auch Mitverantwortung. Die Beziehungen
zwischen Kapital und Arbeit wurden stark verrechtlicht. Dies hatte Auswirkungen
auf Arbeit, Selbstverständnis und Organisation der Gewerkschaften. Die
Verrechtlichung der Arbeits- und Sozialverfassung verlangte gut ausgebildete
Gewerkschaftssekretäre, Professionalisierung und gewerkschaftliche Weiterbildungsmaßnahmen
wurden zur Daueraufgabe. Im Vergleich dazu blieben die
Gewerkschaften an der Saar durch die besonderen politischen Verhältnisse von
dieser Entwicklung ausgeschlossen. Sie konnten weder in der Völkerbundszeit
noch unter der Hoffmann-Regierung zu einem gesellschaftlichen Ordnungsfaktor
werden, dabei war gerade unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg bei Gewerkschaften
und Parteien ein starkes Partizipationsstreben ausgeprägt.' Zusammen
mit der Abtrennung von Deutschland und den dortigen Gewerkschaften behinderte
dies auch den Aufbau einer funktionierenden gewerkschaftlichen Organisation.
Zugleich förderte dies die Politisierung der Gewerkschaften und ihre
teilweise stark nationale Ausrichtung.
Nationale Denkmuster
Nach dem Ersten Weltkrieg war unter den Arbeitern im Saarrevier eine antipreußische,
antiklerikale und antinationalistische Stimmung ausgeprägt, die auch vom
zu dieser Zeit internationalistischen Bewusstsein der USPD und des BAV
getragen wurde. Frankreich erschien der Linken wie einigen katholischen Kreisen
als Befreier von der Preußenherrschaft und dem preußischen Obrigkeits-36
Hans F. Zacher, Grundlagen der Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland, in:
Geschichte der Sozialpolitik (Anm. 33), S. 539.
37 Ludwig Linsmayer, Politische Kultur im Saargebiet 1920-1932. Symbolische Politik,
verhinderte Demokratisierung, nationalisiertes Kulturleben in einer abgetrennten Region.
St. Ingbert 1992, S, 229.
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