Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

ten  Betriebsobmänner  bzw.  Betriebsobleute.  Sie  waren  sehr  einflussreich,  entschieden
  sie  doch,  wer  zur  Wehrmacht  einberufen  oder  als  unabkömmlich  für
den  Betrieb  eingestuft  wurde.“
Mit  dem  Zusammenbruch  des  Dritten  Reiches  löste  bereits  die  amerikanische
Militärregierung  die  so  genannten  Vertrauensräte  auf.  Sie  setzte  provisorische
Betriebsvertretungen  ein,  für  jede  Grube  wurden  drei  Betriebsobmänner  ernannt,
jeweils  einer  für  die  Arbeiter  über  und  einer  für  die  Bergleute  unter  Tage  sowie
ein  Obmann  für  die  Angestellten.  In  der  übrigen  Wirtschaft  wurde  ähnlich
verfahren.  Die  Bildung  dieser  provisorischen  Betriebsvertretungen  war  bereits
wenige  Wochen  nach  Kriegsende  von  unten  aus  geschehen,  so  dass  die  amerikanische
  Besatzungsmacht  diese  Entwicklung  nachträglich  legitimierte.  Sie
wusste,  dass  hier  insbesondere  eine  kleine  Schar  engagierter  Kommunisten
Einfluss  suchte  und  zahlreiche  Betriebsobleute  stellte.  Begünstigt  wurde  dies
durch  das  vergleichsweise  geringe  Engagement  in  Gewerkschaften  und  auf
Betriebsebene  von  Sozial-  und  Christdemokraten.  Einige  kamen  aus  dem  Exil
zurück  und  übernahmen  wichtige  Funktionen  in  der  Sozial  Verwaltung  oder  in
der  Politik:
-  Hermann  Petri,  vor  1935  BAV-Sekretär,  1935  Emigration  nach  Frankreich,
nach  1945  Leiter  des  Arbeitsamtes  Neunkirchen,  SPS-Landtagsmitglied
-  Peter  Zimmer,  vor  1935  BAV-Sekretär,  Inhaftierung  in  der  NS-Zeit,  nach  1945
Zweiter  SPS-Vorsitzender,  Landtagspräsident  und  Bürgermeister  von  Saarbrücken

-  Richard  Kirn,  vor  1935  BAV-Bezirksleiter,  Emigration  nach  Frankreich,  nach
1945  SPS-Vorsitzender,  Mitglied  der  Regierungskommission  und  der  Regierung
  des  Saarlandes.-3
Während  die  französische  Besatzungsmacht  in  den  Ländern  ihrer  Besatzungszone
  sehr  fortschrittliche  Mitbestimmungsregelungen  zuließ,  verfolgte  sie  in  dem
anderen  politischen  Kontext  des  vom  Deutschen  Reich  abgetrennten  Saarlandes
eine  restriktivere  Haltung.  Als  erstem  Land  der  Westzone  trat  in  Rheinland-Pfalz
eine  Betriebsräteverordnung  in  Kraft,  die  weit  über  die  Kontrollratsbeschlüsse
hinausging.  Noch  fortschrittlicher  war  das  badische  Gesetz,  das  schließlich  aus
interalliierter  Rücksichtnahme  auf  amerikanischen  Druck  hin  modifiziert  wurde.22 24
Im  Saarland  verfolgte  die  französische  Seite  vor  allem  nach  Inkrafttreten  der
Wirtschaftsunion  eine  sehr  vorsichtige  Haltung.  Zuvor  hatte  sie  nicht  interveniert,
  wenn  saarländische  Funktionsträger  für  eine  Anpassung  an  die  französi-22

  Ebd.,  S.  193ff.
23  Ebd.,  S.  193ff,  509,  523,516.
24  Rainer  Hudemann,  Sozialstruktur  und  Sozialpolitik  in  der  französischen  Besatzungszone
1945-1949,  in:  Jahrbuch  für  westdeutsche  Landesgeschichte  5  (1979),  S.  373-408.  Siehe
auch:  Edgar  Wolfrum,  Französische  Besatzungspolitik  und  deutsche  Sozialdemokratie.
Politische  Neuansätze  in  der  vergessenen  Zone  bis  zur  Bildung  des  Südweststaates  1945-1952.
  Düsseldorf  1991.

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