religiöses wie soziales Inferioritätsgefühl auf und zog so auch Berg- und Hüttenleute
an.
Die Durchbrechung des Prinzips der Einheitsgewerkschaft nach dem Zweiten
Weltkrieg mit der Zulassung christlicher Gewerkschaften und der Gründung der
Gewerkschaft Christlicher Saarbergleute am 24. August 1947 war Ergebnis einer
Interaktion von saarländischen und französischen Gewerkschaftern.111
Vertreter der christlichen Gewerkschaftsbewegung des Saarlandes wie bspw.
Hans Ruffing kooperierten mit Spitzenrepräsentanten der christlichen Gewerkschaften
in Frankreich. So gewannen der Generalsekretär der Fédération Internationale
des Syndicats Chrétiens und Präsident der CFTC (Confédération Française
des Travailleurs Chrétiens) Gaston Tessier und der Elsässer Henri Meck in
Außenminister Georges Bidault für die Zulassung christlicher Gewerkschaften
einen starken Bündnispartner. Bidauits Antikommunismus und seine christdemokratische
Identität, aber auch die von saarländischer Seite vermittelte Überlegung,
so die seinerzeit noch instabile Position von Johannes Hoffmann innerhalb
der CVP stärken zu können, veranlassten ihn zu diesem Schritt. Schließlich
konnte im Saarland an eine erfolgreiche christliche Gewerkschaftstradition
angeknüpft werden und die Zulassung christlicher Gewerkschaften bedeutete
auch eine Stärkung des katholischen Milieus. Mit Blick auf die französischen
Entscheidungsträger zeigt der Vorgang paradigmatisch das Fehlen eines saarpolitischen
Konzeptes wie vor allem die Differenzen zwischen den einzelnen
Entscheidungsebenen.
Während Bidault parteipolitisch dachte und christliche Gewerkschaften befürwortete,
lehnte Grandval mit Blick auf die Realisierung der Wirtschaftsunion
christliche Gewerkschaften ab. Er fürchtete eine Schwächung der autonomistischen
Kräfte in der Einheitsgewerkschaft und sah die Gewerkschaftsspaltung
als Störfaktor für die Wirtschaftsunion. Grandval und Laffon - als Leiter der
Zivil Verwaltung in der französischen Besatzungszone - dürften dabei in ihrer
ablehnenden Haltung auch durch die innerfranzösische Entwicklung bestärkt
worden sein. General Koenig dagegen - als Chef der Militärregierung in der
französischen Besatzungszone - stand christlichen Gewerkschaften eher aufgeschlossen
gegenüber, sah er in ihnen doch einen Bündnispartner für eine
föderalistische Ordnung Deutschlands.10 11
Auch nach 1945 erwiesen sich die christlichen Gewerkschaften als eine stabile
Kraft über die Zeit der Regierung von Johannes Hoffmann hinaus, blieben sie
doch ungeachtet der Spaltung des christlichen Lagers in der Saarfrage nach dem
23. Oktober 1955 eine mitgliederstarke Gewerkschaft. Sowohl in den Saargruben
wie vor allem auf den Hüttenwerken in Dillingen und Völklingen blieb
Bonn 1954, S. 210,217, 235,241.
10 Ausführlich zur Gründung christlicher Gewerkschaften, siehe: Herrmann (Anm. 1),
S. 298-311.
11 Ebd.
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