Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

rerseits  konnten  Frauen  im  Erwerbsleben  wesentlich  an  Terrain  gewinnen,  mehr
oder  weniger  lebenslange  Berufstätigkeit  ist  zum  selbstverständlichen  Bestandteil
  weiblicher  Biografien  geworden.
Der  enorme  Zuwachs  an  Frauenbeschäftigung  ist  jedoch  nicht  im  Bereich  der
Industrie  zu  verbuchen,  denn  in  sämtlichen  westlichen  Industrieländern  ist  die
abnehmende  Bedeutung  der  Industrie  und  das  kräftige  Wachstum  des  Dienstleistungssektors
  mit  seinem  hohen  Frauenanteil  festzustellen.  Entscheidend  für
die  höhere  Erwerbsbeteiligung  der  Frauen  ist  die  Zunahme  der  30-50-Jährigen,
was  für  eine  stärkere  Integration  verheirateter  Frauen  ins  Erwerbsleben  spricht.
Damit  einhergehend  nahm  der  Anteil  der  in  Teilzeit  erwerbstätigen  Frauen  zu,
von  bundesweit  21,9%  im  Jahr  1961  auf  35,3%  im  Jahr  1987.120  Auch  im
Saarland  wandelte  sich  die  Wirtschaftsstruktur  in  Richtung  Dienstleistungsgesellschaft:
  Waren  vor  40  Jahren  noch  56,7%  aller  saarländischen  Beschäftigten
  im  Bergbau-  und  Hüttenwesen  tätig,  so  arbeiteten  1999/2000  bereits  55%
der  Arbeitnehmer  im  tertiären  Sektor.121  Der  Anteil  der  in  Teilzeit  arbeitenden
Frauen  lag  mit  25,9%  1987  jedoch  weit  niedriger  als  im  Bundesdurchschnitt,
obwohl  er  sich  seit  1961  (13,9%)  nahezu  verdoppelt  hat.122  Trotz  dieser  Defizite
holten  die  Saarländerinnen  hinsichtlich  der  Erwerbsbeteiligung  deutlich  auf,  die
Differenz  der  Frauenerwerbsquote  gegenüber  den  übrigen  Bundesländern  verringerte
  sich  seit  1990  von  ehemals  10%  auf  nunmehr  6%.  In  den  jüngeren  Jahrgängen
  bestehen  heute  praktisch  keine  Unterschiede  mehr  zum  Bund,  und  dies
trotz  der  ungünstigeren  Arbeitsmarktlage  im  Saarland.123
Führte  die  CDU-Regierung  im  Landesentwicklungsplan  von  1981  die  niedrige
Frauenerwerbsquote  noch  auf  "regionale  Besonderheiten"  der  Erwerbsbereitschaft
  zurück,  so  erweist  sich  heute  im  Rückblick  die  ebenfalls  zu  Anfang  der
1980er  Jahre  formulierte  Ansicht  der  Arbeitskammer,  die  niedrige  Frauenerwerbsquote
  sei  hauptsächlich  "ein  angebotsseitiges  Problem"  als  realistischer.124

120  Gudrun  Pfau,  "Alles  wird  besser  -  nichts  wird  gut!”:  Frauenerwerbstätigkeit  als  gesellschaftliches
  Problem  nach  dem  1.  und  2.  Weltkrieg.  Wien  1998,  S.  189.
121  Arbeitskammer  (Anm.  105),  S.  35
122  Röger  (Anm.  103),  S.  156.
123  Arbeitskammer  (Anm.  105),  S.  11.
124  Arbeitskammer  (Anm.  87),  S.  26f.

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