sie nach bestimmten Vorgaben. Die eigentlich kreative Arbeit lag jedoch in den
Händen von Malern und Kunsthandwerkern, die die Vorlagen in ihren Ateliers
entwarfen. Dennoch haftete der Tätigkeit im "künstlerischen Bereich" allem
Anschein nach ein höheres Prestige an als der staubintensiven, anstrengenden
Arbeit an den Pressen. Nicht zuletzt war das Verpacken der Ware eine typische
Frauenarbeit.42
Auch in der Glasindustrie wurden weibliche Beschäftigte außerhalb des eigentlichen
Produktionsprozesses vorwiegend mit Hilfsarbeiten betraut. Sie waren v.a.
für die Verpackung der zerbrechlichen Erzeugnisse zuständig, was etwa bei
Raspiller in Fenne in einer eigenen großen Abteilung geschah.92 93 Von der Saarbrücker
Zucker- und Backwarenfabrik Wahlster wird im Jahre 1904 berichtet:
"Zur Verpackung alT der verschiedenen feinen Back-, Zucker- und Chokoladewaren,
die entweder als Genussmittel oder als Verzierung von Tafeln, Weihnachtsbäumen
usw. dienen, sind über den im ersten Geschoss liegenden hellen
und luftigen Kontorräumen grosse Packräume vorhanden, in denen viele fleissige
Mädchenhände unablässig beschäftigt sind, die Fülle der täglichen Arbeit zu
bewältigen."94
Allein während der beiden Weltkriege verrichteten Frauen anspruchsvollere
Tätigkeiten, die bisher als reine Männerarbeit galten. Im Ersten Weltkrieg wurden
Frauen zu Verladetätigkeiten eingesetzt, sie arbeiteten als Rollgangfahrerinnen in
der Walzstraße, in der Granatendreherei und im Stahlwerk und trieben mit dem
Lufthammer (ca. 20 kg schwer) Risse aus dem gewalzten Block heraus. In der
Dillinger Hütte schürten Arbeiterinnen die Kessel, die in einer langen Reihe
standen. Auf ein Signal hin mussten sie mit einer Eisenstange die Asche entfernen
und darauf achten, noch einen Rest Glut zurückzubehaiten. Dann schaufelten
sie Kohle in die Öfen, was nicht nur schwer war, sondern auch eine gewisse
Geschicklichkeit erforderte.95 Für das Gros der Hüttenarbeiterinnen war die Arbeit
in einem schwerindustriellen Unternehmen eine neue - vielfach erschreckende -
Erfahrung. Anstrengende Wechsel- und Mehrfachschichten, körperliche
Schwerstarbeit, der Umgang mit ungewohnten Maschinen und Gerätschaften
sowie die in diesem Bereich hohe Unfaligefahr bildeten psychische und physische
Belastungen, die zu einem erhöhten Krankenstand und einer hohen Fluktuationsrate
beitrugen.96
Die Tatsache, dass Frauen in der Industrie in der Regel un- bzw. höchstens
angelernte Tätigkeiten verrichteten, erfuhr im Verlauf des 20. Jahrhunderts
92 Susanne Nimmesgem, Frauenarbeit bei Villeroy & Boch von der Reichsgründung bis zum
Ersten Weltkrieg: Arbeitsalltag und Lebensperspektiven. Mag. Arb. Saarbrücken 1989,
S. 11-14.
93 Nimmesgem (Anm. 16), S. 15.
94 Führer {Anm. 8), S. 66.
95 Nimmesgem (Anm. 21), S. 78.
96 Hierüber berichten Interviews mit Zeitzeuginnen, die 1991 erstellt wurden und sich im
Bestand des Historischen Museums Saar befinden.
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