mender Probleme an den Süßwarenhersteller Storck verkauft, der die Produktion
sukzessive in sein Stammwerk nach Westfalen verlegte, 1973 wurde der Betrieb
in Fenne schließlich ganz eingestellt/4
Die Arbeitsplätze in der Textilverarbeitung und Bekleidungsindustrie, die sich
früher als Ausweichbranchen für Frauen boten, gingen in den letzten 15 bis 20
Jahren ebenfalls weitgehend verloren, etwa durch Verlagerung der Produktion
ins Ausland. Es konnten aber auch neue Arbeitsplätze gewonnen werden. Die
"Erfolgsstory" des Bäckereibetriebs von Ernst Wagner im nordsaarländischen
Braunshausen begann 1985, als man dort zur maschinellen Produktion von
Tiefkühlpizzen im patentierten Steinofenverfahren überging. Mittlerweile ist die
Firma der zweitgrößte Anbieter von Fertigpizzen auf dem bundesdeutschen
Markt und beschäftigt in seinen zwei Produktionsstätten 1000 Personen, darunter
zu 58% Frauen.40
Alles in allem kam es trotz zunehmender weiblicher Erwerbstätigkeit jedoch zu
einem Rückgang des Frauenanteils in der saarländischen Industrie von 25% im
Jahr 1980 auf heute nur noch 18%/'
Die Situation der Frauen am industriellen Arbeitsplatz
Was die Arbeitsbedingungen angeht, konnten die Frauen zwar an den allgemeinen
Verbesserungen partizipieren, doch wie ein roter Faden zieht sich ihre
Ungleichbehandlung durch den gesamten Untersuchungszeitraum. Als erstes
wäre die geschlechtsspezifische Segmentierung der Arbeitsbereiche zu nennen,
die bei den Frauen kaum dazu beitrug, eine berufsständische Einstellung zur
Erwerbsarbeit zu entwickeln. Am Beispiel des Unternehmens V&B sehen wir,
dass sich die Frauenarbeit auf wenige, genau festgelegte Bereiche beschränkte,
während den männlichen Beschäftigten eine breite Palette an verschiedenen,
qualifizierten Tätigkeiten zur Auswahl stand, die mit der Geschirr- und Plattenfabrikation
zusammenhingen. Frauen verrichteten hingegen gleichförmige,
repetitive Arbeiten, die in der Regel keine fachspezifische Ausbildung erforderten:
Dazu gehörte das Einkapseln der Keramikerzeugnisse in schützende Tonhüllen
vor dem Brand sowie das anschließende Sortieren und Säubern der Ware
von Staub und Asche. Auch einfache, unqualifizierte Maschinenarbeit wurde
von Frauen geleistet, etwa in der Mosaikfabrik, wo ein Großteil der Arbeiterinnen
mit dem Pressen der Platten beschäftigt war. ln der Steingutfabrik wie
auch bei der Plattenherstellung wurden Frauen mit der Dekoration der Ware
betraut. Sie brachten Kupferdruckmotive auf die Geschirrteile auf oder bemalten
89 Wolfgang Schopp, Der Fenner Harz und die Nahrungsmittelproduktion in Fenne, in: "Glas
und Ton für Kunst und Lohn". Ein kulturgeschichtlicher Überblick von Saarbrücken bis
Völklingen und Warndt, hrsg. von Peter Nest. Saarbrücken/Völklingen 2001, S. 107-115.
90 SZ vom 05.10.2002.
91 Arbeitskammer (Anm. 87), S. 35f.
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