verheirateten Frauen auf dem saarländischen Arbeitsmarkt 1961 nur mit 17%
beziffert, während der Bundesdurchschnitt zur gleichen Zeit bei 36,5% lag.s"
Dennoch vollzog sich auch an der Saar seit den 50er Jahren "das Wunder, dass
nicht nur ich, sondern sich auch mehr Frauen entschlossen [...] mit arbeiten zu
gehen, auch wenn sie verheiratet waren" - wie sich Zeitzeugin Katharina Balzert,
Jahrgang 1925, rückblickend erinnert.sl
Die Firma V&B, in deren Werken an der Saar - abgesehen von den Weltkriegen -
bisher fast ausschließlich ledige Frauen beschäftigt wurden, änderte ebenfalls
ihre Einstellung gegenüber erwerbstätigen Familienmüttern: "Was jüngere
Frauen und Mädchen an besonderem Einfühlungsvermögen, größerer Handfertigkeit
und höherem Leistungsgrad gelegentlich mitbringen, ersetzen ältere,
meist verheiratete Frauen mit großen Kindern durch Energie, Umsicht und
geringere Fehlzeiten." Gleichzeitig stand auch bei V&B außer Frage, dass die
Prioritäten der Frauen bei Heim und Herd liegen sollten. Ganz im Tenor der Zeit
verurteilte die Unternehmensleitung die Erwerbstätigkeit der Frau, wenn es um
die Verwirklichung materieller Dinge, um Wünsche nach "Motorisierung, Auslandsreisen
und Wohnkomfort" ging. Anders dagegen die Lage, "wenn der
Verdienst des Mannes nicht voll ausreicht, um die Errichtung der Wohnung,
des Haushalts und die Pflege und Erziehung von Kindern zu finanzieren. Hier
ist die Mitarbeit der Ehefrau nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig" - die
Berufstätigkeit geriet in diesem Fall sogar zur ursprünglichen Lebensaufgabe der
Frau, dem "Dienst für ihre Familie."s:
ln einem schwerindustriellen Unternehmen wie der Völklinger Hütte, das vorwiegend
Männer beschäftigte, war man - das ist bereits des öfteren angeklungen -
eher an einer Instrumentalisierung der Hausarbeit interessiert. Dennoch bestand
auch dort die allgegenwärtige Kluft zwischen Norm und Realität, denn in Büros,
Labors und manchen Produktionsbetrieben waren etliche Frauen beschäftigt,
darunter viele Familienmütter. Die Sozialberaterin der Hütte stellte daher 1967 in
einem Artikel heraus, dass weibliche Arbeitskräfte auch infolge der technischen
Entwicklung und der daraus resultierenden Erleichterung der Arbeitsprozesse
längst nicht mehr nur als "Lückenbüßer" fungierten.*’
Arbeitsplätze entstanden für die Frauen durch den weiteren Ausbau der Verbrauchsgüterindustrie,
die durch die zweimalige Abtrennung der Saar von
Deutschland gefördert wurde. In diesen Industriezweigen waren verhältnismäßig
80 Menschen an der Saar. Bestandsaufnahme des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft
Bad Godesberg, hrsg. vom Arbeitsamt des Saarlandes. Saarbrücken 1962, S. 19 sowie Ute
Frevert, Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Hindernisse, Umleitungen, Einbahnstraßen,
in: Zäsuren nach 1945. Essays zur Periodisierung der deutschen Nachkriegsgeschichte,
hrsg. von Martin Broszat. München 1990, S. 113-130, hier S. 121.
81 Kuhn (Anm. 70), S. 160.
82 Keramos 13 (1962), S. 6.
83 Rosemarie Hildebrandt, Frauen im Beruf, in: Der Hüttenmann bei Röchling 21 (1967) 1,
S. 5.
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