der Frau in der Gesellschaft vermuten lassen.74 75 Immerhin mussten die verschiedensten
Interessen lagen Berücksichtigung finden: Beim Anstieg der Konjunktur
in den 50er Jahren konnte der saarländische Arbeitsmarkt seinen ungeheuren
Bedarf an Arbeitskräften nicht annähernd decken. Zwar hatte die schwerindustriell
geprägte Wirtschaft in erster Linie Bedarf an männlichen Facharbeitern,
doch in manchen Industriezweigen wie etwa der Tabak-, Bekleidungs- und
Keramikbranche bestand durchaus Interesse an der kostengünstigen und für
manche Bereiche als geschickter geltenden weiblichen Arbeitskraft. 'Außerdem
waren viele Frauen existenziell darauf angewiesen, als Familienmütter "mitzuarbeiten"
oder sich als Alleinstehende ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Um
deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, zahlte die saarländische
Regierung den Betrieben der Nahrungs-, Genussmittel-, Bekleidungs- und
Metallindustrie sogar Darlehen, damit sie neben Schwerbehinderten (sic!) auch
Frauen einstellten.76
1950 vermeldete das Statistische Amt als "eine der erfreulichsten Erscheinungen
die starke Zunahme der beschäftigten weiblichen Arbeiter und Angestellten" von
49.603 im Dezember 1949 auf 53.671 im Dezember 1950. Neben der größten
Wirtschaftsabteilung "Industrie und Handwerk" hatte insbesondere die nächstgrößere
Abteilung "Handel und Verkehr" den höchsten Zuwachs an Frauenarbeit
zu verzeichnen: Hier waren fast % der neuen Beschäftigten Frauen, ihre
Zahl stieg um 14% an (von 12.844 auf 14.637), die der Männer hingegen nur
um 3,4%.78
Insgesamt erhöhte sich der Anteil der Frauen an den Beschäftigten innerhalb
eines Jahres von 18,3 auf 18,9%. Die Zunahme der weiblichen Erwerbstätigen
spielte sich aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau ab als in der Bundesrepublik.
Betrug dort der weibliche Anteil an den Gesamtbeschäftigten 1952
immerhin 32,7%, so lag er im Saarland bei 22,7%.77 Auch wurde der Anteil der
74 Etwa von der ersten "Frauenbeauftragten” an der Saar, der CVP-Politikerin und Volkswirtin,
Dr. Hedwig Behrens, die 1950 ihr Amt antrat: "Die Grundlage des Staates ist und
bleibt die Familie. Im Interesse jeder staatlichen Gemeinschaft ist deshalb die Pflege der
Ehe, die Gesunderhaltung der Familie, die Ertüchtigung der Frau als Hausfrau und Mutter."
Vgl. Rita Gehlen, "Die Ertüchtigung der Frau als Hausfrau und Mutter". Roll back nach dem
Krieg. Frauenpolitik in den 50er Jahren, in: Von der 'Stunde 0' zum 'Tag X'. Das Saarland
1945-1959, hrsg. vom Regionalgeschichtlichen Museum. Saarbrücken 1990, S. 335-350, hier
S. 344.
75 Susanne Nimmesgern. Frauenarbeit zwischen Wandel und Tradition. Zur Entwicklung der
weiblichen Erwerbstätigkeit in der Nachkriegszeit, in: Grenz-Fall. Das Saarland zwischen
Frankreich und Deutschland 1945-1960, hrsg. von Rainer Hudemann, Burkhard Jellonnek u.
Bernd Rauls unter Mitarbeit von Marcus Hahn. St. Ingbert 1997, S. 359-378, hier S. 369ff.
76 Vgl. Hans-Christian Herrmann, Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft.
Sozialpolitik und Gewerkschaften im Saarland 1945 bis 1955. Saarbrücken 1996, S. 122.
77 Statistisches Amt des Saarlandes, Die Entwicklung der Arbeitsmarktlage im Jahr 1950,
S. 1.
78 Ebd., S. 7.
79 Rita Gehlen, Wie geheuert, so gefeuert. Die rechtliche Stellung der Frauen in der
Gesellschaft der 50er Jahre, in: Landkreis (Anm. 16), S. 29-33, hier S. 33.
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