seine Beschäftigten einen besonders leichten Zugriff. Bei der Saarbrücker Stadtverwaltung
fiel es sogar schwangeren Frauen schwer, sich dem Arbeitszwang zu
entziehen.41
Arbeiterinnen wurden hingegen vorwiegend zum Einsatz in der Rüstungsindustrie
rekrutiert. Frau Anna R. aus dem Köllertal erhielt beispielsweise Anfang
1941 den Bescheid, sich bei der Schweißtechnischen Anstalt der Arbeitskammer
zu melden. Dort wurde sie in wenigen Monaten als Schweißerin angelernt und
kam anschließend zu den Hermann-Göring-Werken nach Lothringen, wo sie
allerdings nicht als Schweißerin, sondern wie viele andere als Kranfahrerin
eingesetzt wurde. Erst in Folge ihrer Schwangerschaft gelang es ihr im Frühjahr
1944, von der Arbeitspflicht entbunden zu werden.42
Auch in der Firma V&B nahm der Frauenanteil zu. ln der Firmenzeitschrift
"Keramos" wird beispielsweise von einer Mitarbeiterin berichtet, die vor fast
20 Jahren in der Steingutfabrik gearbeitet hatte und sich im Oktober 1941 bei
der Firmenleitung meldete: "Wenn die Männer an der Front kämpfen, werde
doch jede Kraft in den V&B-Fabriken gebraucht, da wolle sie selbstverständlich
einspringen. [...] Unsere Bedenken, ob denn Frau A. trotz der Betreuung ihrer
beiden Kinder ganztags bei uns arbeiten könne, konnte sie schnell zerstreuen.
[...] Frau A. und alle ihre verheirateten Arbeitskameradinnen, die im Kriege die
Arbeit in unseren Fabriken aufnahmen, haben sich über manche persönliche
Bequemlichkeit hinweggesetzt. Sie taten dies freudig, weil sie nicht nur an sich
selbst dachten, sondern verantwortungsbewusst angesichts der wichtigen u.
dringenden Aufgaben, die unsere Fabriken heute erfüllen müssen. Wo ein Wille
war, war auch ein Weg, die häuslichen Pflichten mit dem Einsatz außerhalb des
eigenen Haushalts in Einklang zu bringen."43
Wenn auch keine allgemeine Dienstverpflichtung bestand, appellierte die
Reichsregierung doch in regelmäßigen Abständen an die Frauen, sich dem
Vaterland zur Verfügung zu stellen. Auf den Aufruf Adolf Hitlers zur Mobilisierung
aller Kraftreserven vom 30. Januar 1943 meldeten sich im Merziger Werk
von V&B 200 Frauen, darunter viele, die bisher noch keiner industriellen
Tätigkeit nachgegangen waren: "Meist sind es Haustöchter und Hausfrauen, die
wohl mit einer gewissen Scheu auf die Fabrik kamen. Viele hatten Angst vor
dem Schmutz und waren" - so die Firmenzeitschrift - "angenehm überrascht über
die gute Entstaubungsanlage." Auch über Zwangsmaßnahmen ist dort zu lesen:
41 Vgl. Susanne Nimmesgem, 'Vater Staat’ und ’Mutter Fürsorge’. Weibliche Angestellte im
kommunalen Verwaltungsdienst am Beispiel der Stadt Saarbrücken, 1910-1950: Arbeitsplätze,
Berufsfelder, Biographien. St. Ingbert 1999, S. 254f.
42 Interview mit Anna R., Jahrgang 1924, geführt am 24.06.2003, von Beruf Hausgehilfin,
Tochter eines Bergarbeiterbauem aus dem Köllertal (Privatbestand).
43 Keramos Folge 4 (1942) April.
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