kam, was sich auf die Frauenbeschäftigung allem Anschein nach positiv auswirkte.
Außerdem entstanden im Saargebiet durch die Abtrennung vom Deutschen
Reich neue Industriezweige. Beispielsweise wurde dem großen Bedarf der
Arbeiterbevölkerung nach Rauchwaren entsprechend eine eigene Tabak- und
Zigarettenindustrie aufgebaut, die sich zunächst gedeihlich entwickelte und erst
nach dem Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland ihrem
Untergang entgegensteuerte. Hier wäre etwa die Firma "Jyldis" zu nennen, die
1919 gegründet wurde und zum Einlegen der Zigaretten in Schachteln und zum
Anbringen von Banderolen ausschließlich Frauen beschäftigte.’1
Oder ein Beispiel aus dem Bekleidungsgewerbe: In Quierschied wurde 1923 die
Strumpffabrik STRUMA ins Leben gerufen, die bald 120-150 Arbeiterinnen
beschäftigte. Sie machte sich dabei ausdrücklich den Umstand zunutze, dass
dort vorwiegend Bergarbeiterfamilien wohnten, deren Töchter und Frauen
dankbar die Gelegenheit wahmahmen, sich einen Verdienst zu suchen.'' Auch
auf der Völklinger Hütte wurde das Kapitel Frauenarbeit nach dem Ersten Weltkrieg
nicht einfach wieder zugeschlagen, denn über die 20er Jahre ist bekannt,
dass Arbeiterinnen dort in der Sommersaison als Schlackensteinladerin oder
Sandfahrerin tätig waren.13
Trotz dieser für die Frauenarbeit günstigen Entwicklungen bestand die Differenz
in der Frauenbeschäftigung gegenüber dem Deutschen Reich fort: So waren
1935 in der Großstadt Saarbrücken nur 42,6% der Bevölkerung erwerbstätig
gegenüber 48,3% in den übrigen Großstädten und 49,5% im Reichsdurchschnitt,
während der Anteil der Personen ohne Hauptberuf mit 48,8% übermäßig
hoch lag, was auf den relativ hohen Prozentsatz nicht erwerbstätiger Frauen
zurückgeflihrt werden kann.14
Der Anschluss an das Deutsche Reich stellte wiederum eine Belastungsprobe für
die Industrie des Saargebietes dar: Um den neu entstandenen Unternehmen den
Übergang in die NS-Wirtschaft zu erleichtern, wurden reichsverbürgte Kredite an
Mittel- und Kleinbetriebe vergeben, die ihnen die existenziell notwendige
Anpassung an deutsche Standards ermöglichen sollten.
31 Handel und Industrie im Saargebiet, hrsg. vom Pestalozzi-Verlag u. Wilhelm Bredehom.
Saarbrücken 1924, S. 206.
32 So die Firmenleitung 30 Jahre später in ihrer Selbstdarstellung, vgl. Das Saarland, Ein
Werk biographischer Kreis- und Firmenchronik. Stuttgart 1954 (= Tradition verpflichtet),
S. 33.
33 In der Sammlung von Hubert Kesternich finden sich Abkehrscheine von Frauen aus den
20er Jahren.
34 Hans-Walter Herrmann, Unter der NS-Herrschaft. Bevölkerung und Sozialstruktur, in:
Geschichte der Stadt Saarbrücken. Bd. 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur
Gegenwart, hrsg. von Rolf Wittenbrock. Saarbrücken 1999, S. 287.
35 Herrmann (Anm. 30), S. 72.
280