eine sozialexklusive Haltung zeigte, wurde die Beteiligung von Arbeitern
seitens der FGSPF ausdrücklich gefördert. Schätzungen sprechen von einem
relativ hohen Anteil von Arheiterjugendlichen in der FGSPF,’6 einer Organisation,
die sich als wesentliche Komponente des französischen Sports etablierte:
1912 erreichte sie mit ca. 150.000 Mitgliedern in etwa die Stärke der USFSA.’
Ursprünglich setzte sich die USFSA aus einer anglophilen Oberschicht zusammen,
die den Sport als eine Domäne des Adels und des gehobenen Bürgertums
betrachtete und große Abneigung gegenüber jeder sozialen Vermischung
zeigte.36 38 39 Um die Begegnung mit Arbeitern zu verhindern, verlangten die USFSA-Vereine
hohe Mitgliedsbeiträge und wandten den "Amateurparagraphen" an, der
besagte, dass jeder, der für eine körperliche Tätigkeit Geld in Empfang nehme
- also jeder Proletarier -, als "Professioneller" zu behandeln sei und keine Aufnahme
finden könne."' Der Sport entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten des
19. Jahrhunderts als eines der Distinktionsmittel einer elitären Schicht, die ihre
Position im Zeichen der Demokratisierung, Bürokratisierung und partiellen
Nivellierung der französischen Gesellschaft bedroht sah und auf symbolischer
Ebene zu verteidigen gedachte. Für das Erscheinungsbild der USFSA wesentlich
repräsentativer als etwa eine von Fabrikarbeitern gebildete Fußballmannschaft
war der abgehobene Rugby-Verein "La Jeunesse Sportive et Littéraire", als
dessen Ehrenpräsident Charles Péguy fungierte und dessen Mitgliederliste
Namen wie Jean Giraudoux, Alain Fournier und Pierre Mac Orlan verzeichnete.40
Jedoch reagierte die USFSA auf den Aufschwung der katholischen Sportbewegung,
indem sie ein wenig von ihrer Exklusivität abstreifte, was sich unter
anderem in der Neudefinition der Amateurregelung ausdrückte: Als "Professionelle"
wurden ab 1913 offiziell nur noch Personen bezeichnet, die durch eine
Sportaktivität Geld verdienten.41 Zwischen 1910 und 1914 ist der Elitismus der
USFSA zumindest im Fußball zum Teil von klassenübergreifenden Sozialstrukturen
abgelöst worden, wobei die Arbeiter allerdings deutlich in der Minderheit
blieben.42
Als die sozialistische Arbeitsporbewegung enstand, fanden somit die Arbeiter
nicht nur in der katholischen FGSPF, sondern ansatzweise auch in der bürgerli¬36
Vgl. Léziart ( Anm. 11 ), S. 117.
37 Léziart (Anm. 11), S. 116; L'histoire en mouvements. Le sport dans la société française,
hrsg. von Ronald Hübscher, Bernard Jeu u. Jean Durry. Paris 1992, S. 118.
38 Vgl. Eugen Weber, Fin de Siècle. Paris 1986, S. 280-281.
39 Alfred Wahl, Les archives du football. Sport et société en France. Paris 1989, S. 28.
40 Vgl. Pierre Charreton, Les fêtes du corps. Histoire et tendances de la littérature à thème
sportif en France (1870-1970). Saint-Etienne 1985, S. 63.
41 Wahl (Anm. 39), S. 88.
42 Vgl. Wahl (Anm. 39), S. 127; Richard Holt, L'introduction des sports anglais en France
et la disparition du gentleman athlète, in: Aimez-vous les stades? Les origines historiques
des politiques sportives en France, hrsg. von Alain Ehrenberg. Paris 1980 (= Recherches;
43), S. 275; Eugen Weber, Gymnastique et sports en France à la fin du XIXe siècle.
Opium des classes?, in: Aimez-vous les stades, S. 212-216.
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