Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Drittens  und  schließlich  sind  die  Akten  der  jeweiligen  Oberberg-  und  Bergämter,
die  vor  allem  als  die  für  die  Grubensicherheit  zuständigen  staatlichen  Aufsichtsbehörden
  mit  Fragen  der  Ausländerbeschäftigung  in  Berührung  kamen,  von
besonderem  Interesse.  Für  das  saarländische  Revier  war  bis  zum  Januar  1942  das
Oberbergamt  Bonn  zuständig.  Bis  zu  diesem  Zeitpunkt  blieb  die  Ausländerbeschäftigung
  an  der  Saar  allerdings  marginal.  Die  einschlägige  Überlieferung
des  seit  dem  1.  Januar  1942  zuständigen  Oberbergamtes  Saarbrücken  und  der
einzelnen  saarländischen  Bergämter  beschränkt  sich  dagegen  neben  wenigem
statistischen  Material  im  Wesentlichen  auf  die  Untersuchungen  der  Bergrevierbeamten
  über  tödliche  Betriebsunfälle  von  ausländischen  Zwangsarbeitern.
Außerdem  sind  im  Bundesarchiv  wenigstens  die  monatlichen  wirtschaftlichen
Lageberichte  des  Oberbergamtes  Saarbrücken  an  das  Reichswirtschaftsministerium
  erhalten.6 7  Die  Akten  des  für  den  gesamten  Ruhrbergbau  zuständigen
Oberbergamtes  Dortmund  sind  durch  Kriegseinwirkungen  vollständig  vernichtet
worden,  dagegen  weisen  einzelne  westfälische  Bergämter  eine  durchaus  dichte
Überlieferung  auf.
Einer  kontrastiv  vergleichenden  Erforschung  des  Ruhr-  und  Saarbergbaus,  deren
Erkenntnisinteresse  sich  vor  allem  auf  die  spezifischen  Einflüsse  staatlichen
Unternehmertums  sowie  einer  Grenzlage  auf  das  regionale  Zwangsarbeitersystem
richten  müsste,  sind  also  wegen  der  ungenügenden  Überlieferung  des  Saarbergbaus
  enge  Grenzen  gesetzt.  Der  erste  Teil  dieses  Beitrages  beschränkt  sich
daher  auf  eine  vergleichende  Betrachtung  der  grundlegenden  quantitativen
Entwicklung  der  Ausländerbeschäftigung  an  Saar  und  Ruhr.
Weiter  kommt  man  angesichts  der  Quellenprobleme  m.E.  hingegen,  auch  und
gerade  was  den  Saarbergbau  betrifft,  wenn  man  statt  einer  kontrastiven  Sichtweise
  eine  Perspektive  wählt,  die  auf  das  Spezifische  des  Ausländer-  und
Zwangsarbeitereinsatzes  im  Steinkohlenbergbau  zielt  und  dabei  Ruhr-  und
Saarbergbau  als  jeweils  besondere,  aber  auch  sich  ergänzende  Beispiele  betrachtet.
  Seit  dem  Frühjahr  und  Sommer  1942  unternahm  die  im  Frühjahr  des
Vorjahres  ins  Leben  gerufene  Reichsvereinigung  Kohle  den  Versuch,  den  nun
massenhaften  Einsatz  von  ungelernten  ausländischen  Arbeitskräften  zu  systematisieren,
  um  damit  einen  positiven  Effekt  auf  die  dringend  notwendige  Erhöhung
  der  Steinkohlenförderung  zu  erzielen.  Ein  Ausdruck  dessen  war  die
Einrichtung  von  so  genannten  "Bezirksausschüssen  für  Leistungssteigerung”  in
den  großen  Kohlenrevieren,  die  kurze  Zeit  später  durch  so  genannte  "Arbeitskreise
  für  Leistungssteigerung”  bei  den  einzelnen  Bergwerksverwaltungen  und
durch  so  genannte  "Leistungskameradschaften”  ergänzt  wurden.  Diese  lnstitu-6
  Vgl.  dazu  im  Bundesarchiv  Berlin  (BAB)  die  Signatur  R  7.467  Wirtschaftliche  Lageberichte
  der  Oberbergämter.  Bd.  14:  Saarbrücken,  Januar  1942  bis  November  1944.
7  Vgl.  dazu  Wilfried  Reininghaus,  Zwangsarbeit  und  Zwangsarbeiter  in  Westfalen.  Quellen
des  Staatsarchivs  Münster.  Vortrag  auf  der  wissenschaftlichen  Tagung  Entschädigung  für  die
NS-Zwangsarbeit.  Zum  Umgang  mit  Quellen  und  Auskünften,  Witten  28.1.2000,  in:
www.archive.nrw.de/dok/reininghaus01/.

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