Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

stark  rezipierte:12 13  Unternehmenskulturen  und  spezifisch  luxemburgische  Form
des  Nationbuilding  verstärkten  sich  hier  gegenseitig.
Dem  vielschichtigen  Spannungsfeld  von  Sozialismus,  Internationalismus,
Nationalismus,  Republikamsmus  und  Kirchenbindung  im  Arbeitersport  vor
1914  geht  Andre  Gounot  im  deutsch-französischen  Vergleich  nach.  Er  zeigt  die
deutschen  "Tendenzen  der  Anpassung  an  das  wilhelminische  System"  in  den
Jahren  vor  Kriegsausbruch,  das  Fehlen  einer  klassengebundenen  Homogenität
in  beiden  Ländern  und  die  Entwicklung  zu  rem  pragmatisch-sportlichen  gegenüber
  politischen  Interessen  in  Sportvereinen.  Susanne  Nimmesgem  analysiert  die
vielfältigen  Wandlungsprozesse  in  der  Position  von  Arbeiterfrauen  zwischen
Arbeitswelt  und  Familie  im  Verlauf  des  19  und  20.  Jahrhunderts,  sie  betont  den
hohen  Beschäftigungsgrad  von  Frauen  und  zeigt  die  konjunkturellen,  kriegsbedingten
  quantitativen  wie  qualitativen  Veränderungen  auf.  Etwa  mit  der
Umbewertung  der  Frauen-Schichtarbeit  aufgrund  der  daraus  folgenden  aktiveren
Rolle  des  Mannes  im  Familienalltag  in  den  1970er  Jahren  beleuchtet  sie  grundlegende
  Perspektivenwechsel  und  kulturelle  Prozesse  im  diachronen  Vergleich.
Kriege  prägen  als  bestimmendes  Element  sowohl  die  technische  und  ökonomische
  Ausrichtung  der  Produktion  selbst  als  auch,  hierdurch  vermittelt,  die
gesamte  industrielle  Lebenswelt.  Für  die  Frauenarbeit  hat  dies  besonderes  Gewicht.
  Zusätzlich  verändern  Besatzungen  und  Annexionen,  deren  unmittelbare
Auswirkungen  auch  emen  Leitfaden  der  technikgeschichtlichen  Sektion  bilden,
grundlegend  die  Rahmenbedingungen,  und  das  besonders  stark  in  der  Saar-Lor-Lux-Region.
  Im  II.  Weltkrieg  wurden,  an  Ruhr  und  Saar15  sowie  in  Lothringen
und  Luxemburg  in  unterschiedlicher  Intensität  die  Fremd-  und  Zwangsarbeiter
zu  einem  Teil  der  Lebenswelt  in  den  deutsch  beherrschten  Industrieregionen
Europas  -  also  gerade  zu  dem,  was  das  Regime  verhindern  wollte,  wie  Hans-Christoph
  Seidel  zeigt.  Welches  war  die  Situation  der  ausländischen  Arbeiter,
welche  Kontakte  ergaben  sich  oder  wie  weit  wurden  Kontakte  tatsächlich  ldeologiekonform
  blockiert,  wie  wurden  die  Arbeiter  von  deutscher  Seite  perzipiert?
Welche  Wirkungen  hatte  ihre  gelegentliche  Ausbildung  zu  geschätzten  Facharbeitern,
  wie  Seidel  sie  für  den  Bergbau  anspncht?
In  der  Bilanz  erscheint  der  technik-  und  wirtschaftsgeschichtliche  Bereich  bisher
zwar  relativ  am  besten  erschlossen,  aufgrund  eines  verbreiteten  Forschungsschwerpunktes
  auf  der  Schwerindustrie  bleibt  hier  aber  gleichfalls  noch  viel
Arbeit  zu  leisten.  Mittlere  und  kleinere  Betriebe  werden  in  derzeit  laufenden

12  Differenzierter  hierzu:  Rainer  Hudemann,  Am  Schnittpunkt  der  Kulturen.  Stadtentwicklung
  und  Nationalstaatsbildung  in  Luxemburg  im  19.  und  frühen  20.  Jahrhundert,  in:
Grenzen  erkennen  -  Begrenzungen  überwinden,  hrsg,  von  Kurt-Ulnch  Jäschke.  Sigmaringen
1999,  S.385-397.
13  Vgl.  hierzu  auch  Fabian  Lemmes,  Zwangsarbeit  in  Saarbrücken.  Ausländische  Zivilarbeiter
  und  Kriegsgefangene  1940-1945.  St.  Ingbert  2004.

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