Fazit
Fasst man nun die Ergebnisse des Fallbeispieles zusammen, so kann man sagen,
dass die Saarbrücker Staatsgruben von Beginn an behördlich und direktoral
organisiert waren. Diese bürokratische Struktur blieb trotz der Umorganisation in
den sechziger Jahren bestehen. Auch die Abhängigkeit Saarbrückens von den
Entscheidungen und Vorgaben der Vorgesetzten Behörden blieben bis zum
Ersten Weltkrieg unverändert, da die Kompetenzen der Bergwerksdirektion nur
unwesentlich erweitert wurden und der Entscheidungsspielraum der Unternehmensführung
für ein derartiges Großunternehmen unzureichend war.
Tatsächlich wurden zahlreiche der grundsätzlichen Entscheidungen weiter in der
ministeriellen Berliner Bergabteilung getroffen, andere fielen nach Diskussionen
in einer Gemengelage zwischen Berlin, Bonn und Saarbrücken. Die einzelnen
Institutionen vertraten dabei sehr gegensätzliche Interessen. Während die Saarbrücker
Unternehmensleitung das Interesse des Unternehmens vertrat und stets
um eine größere Selbständigkeit und Investitionen kämpfte, versuchten Bonn
und Berlin, die Kontrolle über das Saarbrücker Staatsunternehmen zu erhalten,
wobei Berlin zusätzlich auf eine möglichst hohe Gewinnabführung drängte. Bei
diesen beiden Parteien und auch beim preußischen Finanzminister sowie später
beim Landtag bestimmten sehr stark außerökonomische, z.B. fiskalpolitische
Ziele, die Entscheidungen über die Saarbrücker Unternehmenspolitik.
Die Leitung der preußischen Staatsgruben an der Saar wurde ausschließlich von
preußischen Bergbeamten ausgeübt, die hierfür die spezifische staatliche Ausbildung
durchlaufen hatten, sich jedoch mit Ausnahme Sei los nicht den eigentlich
benötigten Freiraum gegenüber den Vorgesetzten erobern konnten. Die
technisch versierten und sozialkonservativ geprägten Leiter standen immer in
einer Art Zwitterstellung zwischen unternehmerischer Initiative und staatlicher
Administration. Sie blieben bis zum Ersten Weltkrieg ständig zwischen betriebswirtschaftlichen,
fiskalischen, z.T. auch volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen
Interessen und Zielen hin- und hergerissen.
Dass das Ausbleiben der Investitionen dabei nicht nur auf die sinkenden Gewinne,
sondern auch auf die Organsationsstrukturen und mehr noch auf die
gleich bleibende Gewinnabführung an den Staatshaushalt zurückzuführen ist,
verdeutlicht die Problematik eines Staatsbetriebes und dessen Abhängigkeit von
der Politik. Aufgrund der Monopolposition und eines wachsenden Marktes
hatte das bürokratische System der Bergbauverwaltung lange Zeit gute Erfolge
vorzuweisen. Als aber neue Konkurrenz in der Region und ein schärferer Wettbewerb
auf dem Kohlenmarkt die Gewinne sinken ließen und sich gegen Ende
des 19. Jahrhunderts die unflexible behördliche Unternehmensorganisation
mehr und mehr als Hemmnis für die immer dynamischeren Marktentwicklungen
erwies, gelang es nicht, den politischen Entscheidungsträgern die für die Unternehmensentwicklung
notwendigen Gelder abzuringen oder die Organisations-208