oder in Gesellschaften unter allen Umständen in jedem Industriezweig bessere
Geschäfte machen als der Staat."88 92 Überraschenderweise wurde jedoch auch das
bürokratische Organisationssystem und die Abhängigkeit von den Vorgesetzten
Behörden von keinem der Bergbeamten abgelehnt. Selbst Serlo und von Velsen
plädierten in ihrer Position als oberste Leiter des preußischen Staatsbergbaus
nicht für eine größere Selbständigkeit der Saarbrücker Unternehmensführung,
obwohl auch sie als Leiter der Bergwerksdirektion um mehr Kompetenzen
gekämpft84 und die Probleme durchaus erkannt hatten. So äußerte sich der
Oberberghauptmann Althans 1919 in den Verhandlungen der Sozialisierungs-Kommission
über den Kohlenbergbau zu der fehlenden Flexibilität der Unternehmensführung
und der Haltung der Beamten wie folgt: "[...] nämlich bezüglich
der größeren Schwerfälligkeit des Fiskus, wenn es sich darum handelt
Neuerungen, die einerseits riskant sind, andererseits Geld erfordern, einzuführen.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: es bezieht sich das nicht nur
auf Neuerungen, sondern es bezieht sich auf alle geschäftlichen Maßnahmen, die
ein größeres Risiko in sich schließen und einen erheblichen Kostenaufwand
erfordern."40 Die Gründe für die fehlende Selbständigkeit der Beamten sei die
Gebundenheit an höhere Instanzenentscheidungen,4' Ähnlich beschrieb auch
Stinnes 1919 seine Vorbehalte gegenüber dem Staatsbergbau: "Stinnes formulierte
seine Hauptgründe gegen den Bergbaubetrieb des Fiskus im allgemeinen
und den des Saargebietes im besonderen dahingehend, daß der Bergfiskus
deshalb so unrentabel arbeitete, weil er wohl gute Fachleute technischer Art
hatte, aber keine brauchbaren kaufmännischen Kräfte besaß. Die Schuld daran
gibt er nicht so sehr dem einzelnen Beamten als dem umständlichen Verwaltungssystem
der Staatsbetriebe überhaupt."42
88 HSTAD 562 Nr. 1069. Dies äußert Sello 1852 in einem Bericht über die gewünschte
Übernahme der Dudweiler Kokerei durch eine Privatgesellschaft aus Paris. Interessanterweise
besaß Sello schon 1825 seine liberale Grundeinstellung: "Es steht fest, daß ein
Hüttenwerk, auf Kosten des Staates verwaltet, schon durch die Stellung der Administration
selbst niemals mit solchen Vorteilen betrieben werden kann als durch einen Besitzer, der
Privatmann ist". W. Treue, Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens. Berlin/New York
1984, S. 421. Wahrscheinlich stammt dieses Zitat aus einem Gutachten über den Verkauf
der staatlichen Hütte Geislautern.
89 Der Bergwerksdirektionsvorsitzende Serlo war z.B. derjenige, der mehr Kompetenzen
forderte, in seiner Zeit als Leiter der ministeriellen Abteilung des Handelsministeriums
wurden jedoch die Saarbrücker Kompetenzen nicht erweitert.
90 Verhandlungen (Anm. 44), S. 224-225.
91 Ebd.; vgl. Anm. 88.
92 Ebd.
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