Laurahütte auf. Insgesamt erwies sich der Posten des Vorsitzenden der Saarbrücker
Bergwerksdirektion nach 1857 als eine Durchgangsstation auf der
Karriereleiter. Auch die höheren Bergbeamten in Stellungen unterhalb der Bergwerksdirektionsvorsitzenden
wechselten sehr häufig. Von 82 Werksdirektoren
blieben z.B. sechs ein Jahr, elf zwei Jahre, acht drei Jahre, sieben vier Jahre,
sieben fünf Jahre, neun sechs Jahre und ebenfalls neun sieben Jahre. 4 Dieses
Problem sahen auch die Verantwortlichen im Berliner Ministerium, was die
Analyse des Oberberghauptmannes Althans in der Sozialisierungskommission
1918/19 zeigt: "Diese Umstände haben allerdings früher den Staatsbetrieb
ungünstig beeinflußt, aber in der Hinsicht ist doch manche Besserung eingetreten.
Früher war es vielfach das Ziel der Direktoren, in eine Oberbergratsstelle
hineinzukommen, also in ein Kollegium zu kommen. Sie bekamen dadurch
höheren Rang und höheren Titel. Diesem Streben ist dadurch abgeholfen worden,
daß die Direktoren, wenn sie in vorgeschrittenere Jahre kommen, denselben
Titel und denselben Rang bekommen wie die Mitglieder der Oberbergämter....
Dazu kommt, daß die Direktoren jetzt Tantiemen bekommen, so daß sie sich
finanziell wesentlich besser stehen als die Oberbergräte in den Oberbergämtern."*
80 Allein diese von Althans angesprochene Änderung führte dann schon
zu einer geringeren Fluktuation.
Die kurze Tätigkeit in den leitenden Positionen förderte letztlich nicht die
Entscheidungsfreude und Risikobereitschaft der leitenden Saarbrücker Beamten.
Sie waren bei der Inbetriebnahme größerer Neuerungen häufig längst an einen
anderen Ort versetzt.81 Die Beamten zögerten daher mit der Einführung teurer und
unsicherer Investitionen, die häufig erst dann eingeführt wurden, wenn sie
unumgänglich waren und ihre Notwendigkeit offensichtlich auf der Hand lag.
Es bestand für die Bergbeamten in den führenden Positionen keine Motivation
zu das normale Risiko übersteigenden Investitionen, was z.B. Stinnes in den
gegen ein Gewerkschaftsmitglied einen Prozess anstrengte, konnte der Verteidiger das
Verfahren zu einem Schauprozess gegen das saarabische System mit großer öffentlicher
Breitenwirkung gestalten, so dass Hilger 1905 diskreditiert aus dem Staatsdienst ausschied
und in Oberschlesien die dortige private Königs- und Laurahütte lange Jahre leitete und
modernisierte. In der Weimarer Republik war Hilger u.a. Vorstandsvorsitzender der
deutschen Bergbau-Berufsgenossenschaft und im Vorstand des Reichsverbandes der deutschen
Industrie sowie Vorsitzender der dortigen Fachgruppe Bergbau. Erwin Dickhoff, Essener
Köpfe. Wer war was? Essen 1985, S. 93-94; Perlick, S. 161-162; Wenzel, Wirtschaftsführer
(Anm. 83), Sp. 957-958; Faus, Männer im Saarbergbau (III) (Tab. 1), S. 92-93.
79 Herring (Anm. 42), S. 43.
80 Verhandlungen (Anm. 44), S. 50.
81 Problem war bei den höheren Beamten deren große Zahl, das späte Aufrücken in verantwortliche
Positionen, die unzureichende Besoldung, der starke Wechsel und die beschränkte
Dispositionsfreiheit sowie die Überlastung der Beamten mit formalen Arbeiten. Außerdem
engagierte die Privatindustrie in starkem Maße weiterhin die besten Leute, weil die
Beamten erstens erst mit 40 Jahren eine feste Stelle in der Bergbauverwaltung erhielten,
zweitens das Gehalt weiterhin niedriger war und es in unteren Stellen auch wenig Selbstständigkeit
gab. Es dauerte sogar bis zum 50. Lebensjahr, bis man in eine höhere Stellung
kam. Die höchsten Gehälter für Werksdirektoren betrugen etwas über 12.000 Mark. Verhandlungen
(Anm. 44), S. 50. Vgl. auch Herring (Anm. 42), S. 43-44.
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