ehemalige Leiter der Bergwerksdirektion hatten zum Schluss ihrer Karriere den
Vorsitz in einem Oberbergamt, die anderen arbeiteten in den Oberbergämtern
oder der Ministerialabteilung. Nur zwei Vorsitzende wurden von der Privatindustrie
abgeworben. Vogel wurde Direktoriumsmitglied beim Schaaffhausener
Bankverein, und Hilger7* stieg zum Generaldirektor der Vereinigten Königs- und
Berlin. Später wurde Serlo Direktor des Oberbergamtes Breslau und schließlich 1878
Oberberghauptmann und Leiter der ministeriellen Bergabteilung. Ab 1879 war Serlo auch
freikonservativer Abgeordneter im preußischen Landtag für den Wahlkreis Oppeln 5 (Tamowitz,
Beuthen, Zabrze Kattowitz) bzw. die Saarkreise Ottweiler/St. Wendel. Evelyn
Kroker, Der Aufstieg eines preußischen Bergbeamten im 19. Jahrhundert. Oberberghauptmann
Albert Ludwig Serlo, in: Der Anschnitt 32 (1980), S. 258-277.
76 Gustav von Velsen (1847-1923, geb. in Unna/Westfalen) trat 1870 als Bergeleve in die
bergmännische Ausbildung ein. Als Bergassessor arbeitete er zunächst in der Position eines
Hilfsarbeiters bei der Berginspektion Zabzre und beim Oberbergamt Bonn. Nach ausgedehnten
Studienreisen nach Nordamerika, Indien, China und Japan übernahm er dann die
Leitung der Grube Königin-Luise in Oberschlesien und wurde anschließend Direktor der
Berginspektion Zabzre, bevor er 1891 den Vorsitz der Saarbrücker Bergwerksdirektion
antrat. 1896 wechselte er zum Oberbergamt Halle, das er als Direktor leitete. Im Jahre
1900 wurde er dann Obergberghauptmann und Leiter des gesamten preußischen Staatsbergbaus.
In der bis 1917 andauernden Führung der ministeriellen Bergabteilung nahm
Velsen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des preußischen Bergbaus. So erfolgte
unter seiner Leitung der Erwerb und Aufbau der staatlichen Kohlengruben an der Ruhr und
die Einführung eines Staatsvorbehaltes für Steinkohlen und Kali 1907. Alfons Perlick,
Oberschlesische Berg- und Hüttenleute. Kitzingen am Main 1953, S. 114-115; Conrad
Matschoss, Männer der Technik. Berlin 1925, S. 281 282; Nachruf: Oberberghauptmann
a.D., Wirklicher Geheimer Rat Gustav von Velsen, Exzellenz, in: Zeitschrift für Berg-,
Hütten und Salinenwesen 71 (1923) Beilage; Faus, Männer im Saarbergbau (II) (Tab. 1),
S. 91-92.
77 Heinrich Vogel (1856-1934, geb. in Siegen) begann 1875 seine bergmännische Ausbildung
und war bereits 1880 erstmals an der Saar in der Berginspektion Luisenthal und später für
die Bergwerksdirektion tätig. Nach einem Aufenthalt im Berliner Ministerium von 1883 bis
1884 wurde er 1884 Leiter der Saargrube Altenwald, später auf Luisenthal und Gerhard.
1891 wechselte er nach Oberschlesien, wo er die Grubenverwaltung der Königin-Luise-Grube
in Zabrze führte. Nach der Übernahme der Zentralverwaltung aller staatlichen Steinkohlen
in Oberschlesien kehrte er als Leiter der Bergwerksdirektion 1896 an die Saar zurück und
wurde anschließend 1900 Direktor des Oberbergamtes Breslau bzw. 1904 des Oberbergamtes
Bonn. Von dort aus wechselte er 1906 in das Direktorium des Schaaffhausener Bankvereins
(Köln), wo er für die Bearbeitung aller Bergbaufragen verantwortlich war. 1908 legte er
diesen Posten nieder, blieb aber in der Folgezeit Aufsichtsratsmitglied zahlreicher Unternehmen,
wie der Schlesischen Bergwerks und Hütten AG. Von 1908 bis 1911 gehörte Vogel
dann als nationalliberaler Abgeordneter dem Reichstag an, Faus, Männer im Saarbergbau
(II) (Tab. 1), S. 93-94; Georg Wenzel, Deutsche Wirtschaftsführer. Hamburg u.a. 1929,
Sp. 2345.
78 Ewald Hilger wurde als Sohn des Essener Maschinenfabrikaten Ewald Hilger 1859 geboren
und trat nach dem Studium in Lausanne, Straßburg, Berlin und der Ecole des Mines in Paris
1882 als Bergreferendar in den bergmännischen Staatsdienst ein. 1883 übernahm Hilger
erstmals an der Saar auf der Berginspektion Dudweiler eine Aufgabe. Nach mehreren Posten
andernorts war er ab 1887 wieder auf verschiedenen Inspektionen und ab 1891 für die
Bergwerksdirektion in Saarbrücken tätig, u.a. 1894 als Leiter des Bergwerks Gerhard/Luisenthal.
1896 wechselte er als Leiter der Zentralverwaltung der staatlichen Steinkohlenbergwerke
nach Oberschlesien, um 1900 dann den Vorsitz der Saarbrücker Bergwerksdirektion
zu übernehmen. Hilger, der schon in der Streikzeit von 1889 bis 1896 im Saarrevier,
u.a. für Arbeiterangelegenheiten, tätig gewesen war, setzte als Leiter der Bergwerksdirektion
nicht nur den harten Kurs gegen alle Gewerkschaften fort, sondern betrieb sogar
ein Bespitzelungssystem. Mit diesem regelrechten Nachrichtendienst verfügte Hilger, den
man auch als "Saarbismarck" bezeichnete, sogar über Vertrauensleute in der SPD und bei
den Gewerkschaften. Als allerdings unter Hilgers Vorsitz die Saarbrücker Staatsanwaltschaft
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