Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

6 Ottmar  Fuchs  (1862-1941,  geb.  in  Königstein  im  Taunus)  war  bereits  während  seiner
praktischen  Ausbildung  zum  Bergbeamten  1882  erstmals  an  der  Saar  auf  der  Grube  Altenwald
  tätig.  Neben  weiteren  Stationen  war  Fuchs  als  Berginspektor  Leiter  des  Saarbrücker
Handelsbüros  (1893)  und  als  Bergwerksdirektor  der  Grube  Heinitz  (1898)  dann  wieder  an  der
Saar  im  Dienst.  Bevor  Fuchs  1911  den  Vorsitz  der  Saarbrücker  Bergwerksdirektion  übernahm,
  war  er  im  Berliner  Ministerium  für  die  Vorbereitung  der  Haushaltspläne  zuständig.
Fuchs  hatte  dann  im  Ersten  Weltkrieg  (1917)  noch  die  Funktion  eines  Reichskommissars  für
die  Kohlenverteilung  inne.  Nach  dem  Krieg  führte  er  die  Verhandlungen  über  die  Übergabe
der  Gruben  an  Frankreich.  Nach  Auflösung  der  Abwicklungsstelle  wechselte  Fuchs  zum
Oberbergamt  Bonn,  dessen  Leitung  er  ab  1921  inne  hatte.  Fritz  Faus,  Männer  im  Saarbergbau
  (IV),  in:  Saarbrücker  Bergmannskalender  (1969),  S.  84-86,  hier  S.  84-85.

Die  meisten  Leiter  des  Bergamts  bzw.  der  Bergwerksdirektion  waren  nur  wenige
Jahre  auf  dieser  Position  beschäftigt.  Sieht  man  einmal  vom  ersten  und  auch
erfolgreichsten  Leiter  Sello  ab,  der  die  preußischen  Staatsgruben  von  1816  an
41  Jahre  lang  bis  zu  seiner  Pensionierung  1857  führte,  so  betrug  die  durchschnittliche
  Dienstdauer  eines  Vorsitzenden  der  Bergwerksdirektion  nur  knapp
4,5  Jahre,  wobei  die  einzelnen  Werte  zwischen  einem  und  zehn  Jahren  schwankten.
  :  Allerdings  waren  nach  1878  alle  Leiter  der  Bergwerksdirektion  schon  vor
ihrer  Berufung  auf  den  Vorsitz  ein  oder  mehrere  Male,  z.T.  auch  jahrelang  auf
anderen  Posten  im  Saarrevier  tätig  gewesen,  zumeist  als  Leiter  einer  Berginspektion.
  '  In  der  Privatwirtschaft  der  Saarregion  waren  dagegen  sowohl  die
Eigentümerunternehmer  wie  Stumm  und  Röchling,  als  auch  die  Manager  der
Aktiengesellschaften,  wie  z.B.  Nikolaus  Flamm  und  Rudolf  Seebohm  von  der
Burbacher  Hütte,  nach  1850  erheblich  länger  in  der  Leitung  der  Unternehmen
aktiv.  Grund  für  die  kurze  Amtszeit  der  Bergbeamten  war.  Daher  beklagten  die
Verantwortlichen  im  Berliner  Ministerium  stets  auch,  dass  die  Stellung  von  den
Bergbeamten  lange  Zeit  nur  als  Durchgangsstation  für  die  eigene  Karriere  angesehen
  wurde.* 74 75  Von  den  zwölf  Leitern  der  Bergwerksdirektion  von  1861  bis
1911  wurden  immerhin  zwei  Leiter  der  Ministerialabteilung  für  das  gesamte
Bergwesen  im  preußischen  Handelsministerium  mit  dem  Range  eines  Oberberghauptmannes.
  Dieses  waren  Albert  Serlo"  und  Gustav  von  Velsen.76  Fünf
:  Siehe  Tabelle  6.  Zu  den  einzelnen  Bergwerksdirektoren  siehe:  Haßlacher  (Anm.  9),
S.  138;  Faus,  Männer  im  Saarbergbau  (I-IV)  (Tab.  1).
73  Vor  1878  war  dies  nur  einmal  der  Fall,  als  Bluhme  als  Bergwerksdirektionsvorsitzender
zuerst  kommissarisch  und  später  auch  fest  die  Leitung  der  Saarbrücker  Gruben  übernahm.
74  Neben  dem  Problem,  dass  die  Stellung  der  Bergbeamten  lange  Zeit  nur  als  Durchgangsstation
  für  die  eigene  Karriere  angesehen  wurde,  war  auch  die  Abwerbung  guter  Bergbeamter
  durch  den  Privatbergbau  verantwortlich  für  den  häufigen  Wechsel,  was  bei  den
geringen  Beamtengehältern  nicht  verwundert.  Die  jährlichen  Gehälter  für  Beamte  der
Bergwerksdirektion  lagen  1899  zwischen  2400-3600  Mark  für  Markscheider  und  9300  Mark
für  den  Vorsitzenden  der  Bergwerksdirektion.  Weiss  (Anm.  51),  S.  35.
75  Dr.  Albert  Ludwig  Serlo  (1827-1898,  geb.  in  Crossen  an  der  Oder)  hatte  vor  der  Übernahme
  des  Vorsitzes  der  Saarbrücker  Bergwerksdirektion  verschiedene  Stellungen  im
staatlichen  Salinenwesen  inne  und  machte  eine  schnelle  Karriere  u.a.  im  Bergamt  Bochum
und  im  Oberbergamt  Dortmund.  Nach  dem  Tod  Krauses  führte  er  die  Neuorganisation  der
staatlichen  Gruben  an  der  Saar  weiter  und  ging  anschließend  1865  ins  Ministerium  nach

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