Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

anlagen  zum  großen  Teil  veraltet  und  es  bestünde  ein  dringender  Erneuerungsbedarf,
  wenn  nicht  empfindliche  Betriebsstörungen  und  eine  Förderungseinschränkung
  eintreten  sollten.64  Außerdem  wären  im  Interesse  der  Wirtschaftlichkeit
  einige  sonstige  Neuanlagen  erforderlich.
Auch  das  Abwarten  des  preußischen  Bergfiskus  bei  der  Aufschließung  der
Fettkohlenvorkommen  im  Warndt  hatte  u.a.  seine  Ursache  in  den  zu  geringen
Finanzzuweisungen  aus  Berlin.  So  bekamen  die  Beamten  in  Saarbrücken  risikolosere
  Projekte  bzw.  Folgeinvestitionen  schneller  bewilligt  als  Gelder  für  neue
kapitalintensive  Gruben,  für  die  zudem  die  erfolgreiche  Aufschließung  nicht
gesichert  war.  Der  Oberberghauptmann  Althans  gab  beispielsweise  1919  zu,
dass  der  Staatsbetrieb  zu  schwerfällig  sei,  wenn  etwas  Neues  geschaffen  würde
und  dehnte  "diese  Rückständigkeit  auch  auf  alle  Geschäftsmaßnahmen"  aus,
"die  einen  größeren  Kostenaufwand  bei  gewissen  Risikomöglichkeiten  erfordern."
  Dieses  war  auch  bei  den  Warndtgruben  der  Fall,  wo  wasserführende
Gesteinsschichten  einen  extrem  teuren  Schachtbau  notwendig  machten.65  Erheblich
  später  als  die  lothringischen  Privatgruben  führte  die  immer  stärker  steigende
Nachfrage  nach  Fettkohle  1896  zur  Untersuchung  der  unverritzten  Feldteile  und
schließlich  zur  Errichtung  neuer  Gruben  ab  1900,66  wobei  man  auch  bei  diesen
unsicheren  Investitionen  nur  sehr  zögernd  vorging.  Die  Saarbrücker  Bergwerksdirektion
  konnte  insbesondere  die  Investitionslücken  und  die  aus  dem  Staatshaushalt
  herrührenden  Finanzprobleme  auch  nicht  durch  eine  Aufnahme  von
Krediten  auf  dem  Kapitalmarkt  schließen,  um  die  notwendigen  Investitionen
trotz  des  schwerfälligen  Etatierungssystems  durchfuhren  zu  können,  da  dieses
ihr  anders  als  den  privaten  Bergbaugesellschaften  an  der  Saar  nicht  erlaubt  war.67
Dass  der  preußische  Finanzminister  1902  Staatsmittel  und  Anleihen  zur  Aufschließung
  der  neuen  Fettkohlengruben  ablehnte  und  "die  Aufschließung
derselben  nur  in  dem  Maße  gestatten  will,  wie  sie  aus  den  laufenden  Überschüssen
  bestritten  werden  kann,"68  kritisierte  beispielsweise  denn  auch  der
Syndikus  der  Saabrücker  Handelskammer,  Alexander  Tille.  Dieses  Problem
wurde  dabei  von  den  Saarbrücker  und  anderen  Bergbeamten  durchaus  erkannt,
die  nach  1900  die  Möglichkeiten  einer  Anleihe  für  Investitionen  forderten.

64  So  wären  auf  der  Heinitzer  Grube  nur  14  Pfennig  pro  Tonne,  auf  den  übrigen  Gruben  aber
23  Pfennige  ausgegeben  worden  (LAS  564  Nr.  536).
65  Banken,  Take-Off-Phase  (Anm.  6),  S.  188-219.
66  Ebd.
67  Ebd.,  S.  188-219.
68  Tille,  Preispolitik  (Anm.  61),  S.  I,  18.  Tille  forderte  wegen  der  Kokskohlenknappheit
neue  Aufschlüsse  und  eine  Vermehrung  der  Belegschaft,  finanziert  durch  Aufwendung
erheblicher  Staatsmittel  und  die  Herbeischaffung  geeigneter  Handarbeitskräfte.  "Ein
Hinweis  auf  eine  vorübergehende  schlechte  Lage  der  preußischen  Staatsfinanzen  vermag
Unterlassungen  in  dieser  Hinsicht  nicht  zu  rechtfertigen,  denn  der  Schaden,  welcher  durch
das  Zurückbleiben  des  staatlichen  Saarkohlenbergbaus  dem  ganzen  preußischen  Südwesten
geschieht,  ist  viel  größer,  als  die  Belastung  durch  eine  Anleihe  zur  Erschließung  der
vorhandenen  Kohlenschätze  an  Kosten  bedeuten  kann."

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