Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

entstanden  Verzögerungen  bei  Investitionen  von  bis  zu  zwei  Jahren.  Ein  weiteres
  Hemmnis  der  Investitionen  ergab  sich  durch  die  Regelung,  dass  alle  Investitionen
  "über  3.000  Mark"  (!)  etatisiert  werden  mussten.53
Neben  diesen  aus  den  Haushaltsregein  erwachsenen  Verzögerungen  lähmte  der
durch  die  Etatisierung  hervorgerufene  umständliche  Behördenweg  die  Bergbeamten.
  die  dadurch  langfristig  zum  Dienst  nach  Vorschrift  erzogen  wurden,
was  der  Oberberghauptmann  Althans  rückblickend  1919  konstatierte:  "Es  ist  ja
richtig,  daß  in  der  Notwendigkeit,  für  jedes  Werk  einen  Etat  aufzustellen,  eine
große  Schwierigkeit  für  den  ganzen  Betrieb  liegt,  denn  man  muß  sich  über  das,
was  im  nächsten  Jahr  an  Mitteln  notwendig  wird,  schon  ungefähr  ein  Jahr
vorher  schlüssig  werden.  Der  Etat  wird  in  der  Regel  in  dem  Sommer  aufgestellt,
der  dem  Jahre,  in  dem  die  Ausgaben  erfolgen  sollen,  vorausgeht."  Zwar  sei  es
möglich,  eine  Ausgabe  außerhalb  des  Etats  bewilligt  zu  bekommen,  dies  bringe
aber  eine  zusätzliche  Erschwernis,  weil  man  dem  Parlament  darüber  berichten
müsse:  "Man  scheut  sich  darum  oft,  solche  Bauten  auszuführen  und  wartet  lieber
ein  Jahr  bis  zum  neuen  Etat.  Das  dient  nicht  immer  zum  besten  des  Betriebes."54
Auch  über  die  Investitionsplanungen  äußerte  sich  Althans  wegen  der  vielen
Schreibarbeiten  und  der  gegenüber  den  Privatunternehmen  geringen  Dispositionsmöglichkeiten
  negativ:  "Anders  ist  es  bei  den  Staatswerken.  Da  ist  zunächst
  das  Ministerium  maßgebend.  Wegen  aller  möglichen  Dinge  muß  das
Ministerium  unterrichtet  werden,  schon  damit  es  auf  dem  Laufenden  ist.  Es  muß
wegen  aller  möglichen  Dinge  angefragt  werden.  Vielfach  muß  auch  das  Finanzministerium
  mit  herangezogen  werden.  Das  hat  sich  in  vielen  Sachen  die  Genehmigung
  Vorbehalten,  so  daß  dadurch  auch  wieder  eine  größere  Erschwerung
und  Verzögerung  der  Geschäfte  hervorgerufen  ist."""  Dieses  galt  bei  größeren
Investitionen  dann  auch  für  die  gesamte  Bergmannschaft.  So  äußerte  sich  beispielsweise
  Oberberghauptmann  von  Velsen  zum  Kauf  der  Privatkokerei  Sambre
et  Mosel  bei  der  Grube  Dechen  1903  wie  folgt:  "Der  Herr  Oberberghauptmann
gab  seiner  Ansicht  dahin  Ausdruck,  daß  ein  Ankauf  ohne  Mitwirkung  des
Finanzministeriums  und  ohne  Etatierung  der  erforderlichen  Kaufgelder  nicht
durchzufuhren  sei,  ein  Antrag  auf  Bewilligung  von  Mitteln  für  den  Erwerb  habe
erst  dann  Aussicht  auf  Erfolg,  wenn  sich  die  Wirkung  des  Ankaufes  der  Heinitzer
  Koksanlage  übersehen  lasse."56
angeht?"  Verhandlungen  (Anm.  44),  S.  87.
53  Verhandlungen  (Anm.  44),  S.  87.
54  Verhandlungen  (Anm.  44),  S.  70.
55  Verhandlungen  (Anm.  44),  S.  43  und  70.  An  gleicher  Stelle  auf  Seite  347  findet  sich  die
Bestätigung  der  Althanschen  Einschätzung  durch  von  Velsen,  der  meinte,  dass  das  Problem
der  Kontrolle  durch  den  Landtag,  die  Oberrechnungskammer  usw.  viel  Arbeit  und  Intelligenz
  in  Anspruch  nähme.  Vgl.  die  Meinung  in  der  Denkschrift  von  1910  über  die  Zukunft
des  staatlichen  Saarbergbaus  (LAS  564  Nr.  64):  "[...]  sowie  dadurch,  daß  der  Ausbau  der
Anlagen  durch  die  Schwerfälligkeit  der  preußischen  Etatgesetzgebung,  wonach  jeder
einzelne  kleine  Bau  der  Genehmigung  des  Landtages  unterliegt,  gehemmt  ist."
56  LAS  564  Nr.  537.

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