Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

zung  zeigten:  "Unerfreulich  die  Minderergebnisse,  welche  der  hiesige  Bergbau
gegen  das  Etatsoll  gezeichnet  hat,  wobei  ich  allerdings  anerkennen  muß,  daß
das  Etatsoil,  um  den  Wünschen  der  Finanzverwaltung  entgegen  zu  kommen,
sehr  hoch  war."41  Dieses  Beispiel  macht  den  ab  1900  verstärkt  spürbaren  Druck
der  ministeriellen  Bergabteilung,  des  Finanzministeriums  und  des  Landtages
sowie  die  Zwänge  zur  Gewinnabführung  auf  die  Bergwerksdirektion  deutlich.
Trotz  dieses  Minderergebnisses  wurde  ein  Jahr  später  der  geplante  Etatsüberschuss
  vorab  abermals  überhöht  festgelegt.  Velsen  fragte  in  der  ersten  oben
erwähnten  Sitzung  1903,  warum  der  Gewinn  im  Budget  1904  mit  nur  dreizehn
Millionen  etatiert  wurde,  da  er  ihn  für  zu  niedrig  hielt.  Der  Vorsitzende  der
Bergwerksdirektion  Flilger  antwortete,  dass  die  ungünstigen  Abschlüsse  die
Ursache  für  die  Saarbrücker  Einschätzung  gewesen  seien.  Nach  einem  Vorschlag
des  Bergrats  Liebknecht  aus  dem  Berliner  Ministerium,  dass  der  Überschuss
fünfzehn  Millionen  betragen  sollte,  entschied  von  Velsen  schließlich:  "Der  Herr
Oberberghauptmann  bestimmte  daraufhin  an  dieser  Summe  bei  der  Etatierung
festzuhalten  [...]"  Deutlicher  als  diese  beiden  Beispiele  können  der  von  den
Ministerien  und  dem  Landtag  ausgeübte  Druck  und  die  Zwänge  zur  Gewinnabführung
  auf  die  Bergwerksdirektion  nicht  gezeigt  werden.  Die  Gewinne  der
Saarbrücker  Bergwerksdirektion  stellten  nämlich  den  größten  Teil  der  von  den
staatlichen  Bergwerken  und  Hütten  erwirtschafteten  Gewinne  dar,42  weshalb  es
41  So  hieß  es  außerdem  von  einem  Saarbrücker  Bergwerksdirektor:  "Was  die  Aussichten  für
das  laufende  Etatjahr  angeht,  so  haben  durch  den  Staatshaushaltsetat  für  1903  die  hier
veranschlagten  Ausgaben  Kürzungen  erfahren,  um  den  von  uns  in  Aussicht  gestellten
Überschuß  von  [...]  14.900.000  M  auf  17.100.840  M  zu  erhöhen.  Diese  Kürzungen  setzen
sich  in  der  Hauptsache  zusammen  aus:  990.000  von  Betriebsmaterialien,  700.000  M  von
Betriebslöhnen  und  100.000  M  von  Wohlfahrtszwecken.  Gegen  den  Abstrich  von  999.000  für
Betriebsmaterialien  sind  keine  Bedenken  zu  erheben,  da  der  noch  verbleibende  Betrag  von
0,03  M  pro  Tonne  höher  als  der  im  abgelaufenen  Etatjahre  verausgabte  Durchschnittsbetrag
von  1,49  M  ist.  Allerdings  dürfen  die  Aus-  und  Vorrichtungsarbeiten  keinen  wesentlichen
größeren  Umfang  annehmen.  Die  Herabsetzung  der  Ausgaben  für  Betriebslöhne  und  für
Wohlfahrtszwecke  wird  dagegen  mit  den  wirtschaftlichen  Ergebnissen  nicht  in  Einklang  zu
bringen  sein."  Letzteres,  weil  wegen  der  sinkenden  Kohlenpreise  keine  Einnahmeerhöhung
zu  erwarten  sei.  Da  auch  der  Preis,  wie  im  Etat  veranschlagt,  stehen  bleiben  würde  und  die
Löhne  wegen  Absatzverhältnissen  ebenfalls  nicht  sinken  würden,  wäre  es  schwer,  den
angegebenen  Überschuss  zu  erzielen  (vgl.  LAS  564  Nr,  963).
42  So  betrug  der  Anteil  des  Überschusses  der  Bergwerksdirektion  an  den  Gesamtüberschüssen
der  staatlichen  Bergbauverwaltung  Preußens  von  1900-1909  bis  zu  62%  (1903).  Banken,
Frühindustrialisierung  (Anm.  1),  Anhang  Tabelle  A53.  Im  veranschlagten  Etat  von  1914
wurde  für  den  Umsatz  der  Saarbrücker  Staatsgruben  ein  Geldwert  von  123  Millionen  vorgesehen,
  denen  58  Millionen  für  die  staatlichen  Gruben  in  Oberschlesien,  31  Millionen  für
die  Staatsbergwerke  in  Westfalen  und  4,3  Millionen  für  die  Staatswerke  am  Deister,  also
zusammen  93,3  Millionen,  gegenüberstanden.  Wilhelm  Herring,  Das  Problem  der  Verstaatlichung
  des  preußischen  Steinkohlenbergbaues,  Jena  1914,  S.  39.  1896/1897  war  das
Verhältnis  noch  extremer  zugunsten  der  Saarbrücker  Gruben,  die  einen  Umsatz  von  63,3
Millionen  Mark  hatten  (Förderwert  69,8  Millionen),  während  der  Umsatz  der  anderen
staatlichen  Steinkohlenwerke  sich  auf  27,9  Millionen  (Förderwert  29,8  Millionen)  bezifferte.
  Die  sonstigen  staatlichen  Werke  der  Berg-,  Hütten-  und  Salinenverwaltung  besaßen  sogar
nur  einen  Umsatz  von  8,8  Millionen  (Förderwert  9,1  Millionen).  Georg  Strutz,  Der  Staatshaushalt
  und  die  Finanzen  Preußens.  Bd.  1:  Die  Überschußverwaltungen.  Lieferung  2:  Berg-,
Hütten-,  Salinen-  und  Bemsteinverwaltung,  Seehandlung,  Lotterie-  und  Münzverwaltung.
Berlin  1900-1904,  S.  368.

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