mannschaft bei wichtigen Angelegenheiten ein entscheidendes Wort mit. So
wurden auf einer Konferenz mit dem Berghauptmann 1839 technische Angelegenheiten
über eine Wasserhaltungsdampfmaschine und das Schachtabteufen
der Grube Geislautern besprochen.26 In einigen Fällen entschied Berlin sogar
über Details, wie z.B. 1823 über ein Portal für einen Stollen.2 Wichtige Investitionsentscheidungen
fielen endgültig ohnehin erst in Berlin bzw. wurden
in den jährlichen Ökonomieplänen festgelegt. Verzögerungen in der Entscheidungsfindung
und -Umsetzung waren die Konsequenz einer solchen Führungsstruktur.
So konnten ein bis zwei Jahre bis zur Umsetzung einer größeren
Entscheidung vergehen. Bisweilen wurden Anträge Saarbrückens abgelehnt
bzw. entscheidend umgestaltet, oder es wurden dem Saarbrücker Bergamt Entscheidungen
befohlen, die dieses für unpassend hielt. Ein Beispiel stellt hier der
missglückte Versuch der Einführung einer Dampflokomotive 1818 dar.28 29 Zudem
kam es vor, dass Anordnungen und Anfragen aus Bonn und Berlin von der
Saarbrücker Behörde nicht bzw. nur schleppend umgesetzt und beantwortet
wurden, wovon die zahlreichen Ermahnungen zur Ablieferung von Berichten
seitens höherer Behörden zeugen.2'1 Abgesehen davon, dass der einzelne Beamte
keine Anreize besaß, eigenständig zu handeln, musste er größere Entscheidungen
erst vor der vierzehntägigen Bergamtskonferenz bzw. dem Direktor
vortragen. Das Bergamt selbst hatte in wichtigen Angelegenheiten wiederum
zunächst Bonn oder auch Berlin einzuschalten.
Kontroverse Meinungen zwischen den drei Bergbehörden waren durchaus
üblich. Mehrere Male versuchte das Bergamt gegen Entscheidungen aus Berlin
anzugehen. Allerdings genoss Bergamtsdirektor Sello aufgrund seiner Person
brücken versetzt, wo er mit dem Titel des Bergmeisters die Leitung des gerade neu geschaffenen
Saarbrücker Bergamts übernahm. Trotz einer scheinbar kollegialen Behördenverfassung
blieb Sello bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1857 der allein entscheidende
Leiter des Bergamtes. 1846 wurde er zum Geheimen Bergrat befördert. Siehe zu Sello:
Sigrid Veauthier, Leopold Sello, in: Saarländische Lebensbilder. Bd. 3, hrsg. von Peter
Neumann. Saarbrücken 1986, S. 87-118; ders., Leopold Sello (1785-1874). Erster Preußischer
Bergamtsdirektor an der Saar, in: Der Anschnitt 45 (1993) 2-3, S. 101-110; Jürgen
Kiltz, Leopold Sello - Direktor des Bergamts Saarbrücken von 1816-1857, in: Saarbrücker
Hefte 58 (1986),S. 43-92; Banken, Frühindustrialisierung (Anm. 1), S. 91-97.
26 HSTAD 562 Nr. 239. Nach der Besprechung wurde dann von höherer Seite neben den
besprochenen Zeichnungen der Dampfmaschine ein Aufsatz über das Abteufen des Schachtes
verlangt, der über Bonn an das Finanzministerium gehen sollte.
27 Stollen und Schächte im Steinkohlenbergbau an der Saar. Bd. 9: Grube Gerhard, zsgst.
nach allen erreichten Unterlagen (Akten, Literatur, Rissen) von Karl-Heinz-Ruth. Saarbrücken
1990 (= Beilage der Konzernzeitschrift Saarberg), S. 29.
28 Zu diesem Vorfall siehe: GSTAM 121 D III 3 Nr. 3; HSTAD 562 Nr. 1191; Banken,
Frühindustrialisierung (Anm. 1), S. 147-148.
29 Ein schönes Beispiel gibt Klein (Anm. 8), S. 75. Das Oberbergamt Bonn wartete z.B. fast
18 Monate lang auf eine Karte mit den Grenzen der Geschworenen-Reviere (angefordert am
24. August 1825) und bekam sie erst nach mehrfachen Ermahnungen am 28. Februar 1827
vom Bergamt Saarbrücken zugesandt. Siehe auch Hugo-Hermann Pilger, Das Ausbildungswesen
im preußisch-fiskalischen Steinkohlenbergbau an der Saar. Diss. Saarbrücken 1965,
S. 46.
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