Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Beamten  bedeuteten."  Außerdem  fand  weiterhin  alljährlich  auf  den  Generalhauptbefahrungen
  eine  direkte  Kontrolle  durch  den  Oberberghauptmann  aus
Berlin  und  den  Berghauptmann  des  Oberbergamtes  statt.22 23  Hierbei  wurden  auch
zahlreiche  Maßnahmen  gemeinsam  beschlossen,  u.a.  wurden  die  Jahres-Ökonomiepläne
  verabschiedet.24  Neben  den  Mitgliedern  der  Bergwerksdirektion  nahmen
  an  diesen  Generalbefahrungen  weiterhin  der  jeweilige  Leiter  und  andere
Mitglieder  der  Ministerialabteilung  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwesen  des
preußischen  Staates  sowie  der  Leiter  und/oder  Mitglieder  des  Oberbergamtes
Bonn  teil.

Der  Entscheidungsspielraum  der  Unternehmensführung  in  Saarbrücken
Die  mitentscheidende  Rolle  des  Oberbergamtes  und  der  ministeriellen
Bergabteilung
Welchen  genauen  Entscheidungsspielraum  hinsichtlich  der  Unternehmensführung
  besaßen  speziell  die  Leiter  des  Bergamts  bzw.  der  Bergwerksdirektion
in  Saarbrücken,  insbesondere  gegenüber  ihren  Vorgesetzten  Behörden?  Keinesfalls
  entsprachen  die  Befugnisse  des  Vorsitzenden  der  Bergwerksdirektion  dem
eines  Eigentümeruntemehmers,  aber  auch  der  Handlungsspielraum  eines  Managers
  der  meisten  Aktiengesellschaften  war  erheblich  größer.  Schon  unter  dem
ersten  Leiter  Leopold  Sello25  sprach  das  Oberbergamt  oder  die  Oberberghaupt¬22

  Schon  1861  schrieb  Bergwerksdirektionsleiter  Krause:  "[...]  wo  eine  Menge  nur  die  lokale
Verwaltung  einer  einzelnen  Grube  betreffende  Gegenstände  an  dasselbe  [Berganit,  R.  B.]
gelangen,  eine  so  große  Menge  von  Schreibwerk  -  alljährlich  etwa  18.000  Nummern  -  zu
bewältigen  hat,  daß  es  nicht  nur  mir,  als  Direktor,  bei  dem  besten  Willen  nicht  möglich
ist,  fortdauernd  die  nötige  Übersicht  über  das  finanziell  so  sehr  wichtige  Geschäft  zu
behalten  [...]"  Klein  (Anm.  8),  S.  87.  1861  wurde  den  Berginspektoren  nur  ein  einziger
Beamter  für  Schreibarbeiten  beigegeben,  obwohl  die  Gruben  im  Grunde  als  eigene  Unternehmen
  hätten  fungieren  können.  Die  Arbeit  in  den  Gruben  blieb  dabei  aber  weiterhin  den
Schichtmeistern,  den  Obersteigern  und  anderen  Unterbeamten  Vorbehalten.  Erst  1892  wurde
den  Leitern  der  Berginspektionen,  die  nun  Bergwerksdirektoren  statt  Berginspektoren
hießen,  ein  Berginspektor  zur  Seite  gestellt,  der  vollständig  dem  Bergwerksdirektor  unterstellt
  war.
23  Schon  1817  fand  die  erste  jährliche  Generalbefahrung  der  Saarbrücker  Gruben  durch  das
Oberbergamt  Bonn  statt.  1902  z.B.  waren  als  ministerieller  Vertreter  der  Leiter  der  Abteilung
  des  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwesens  Oberberghauptmann  von  Velsen  und  der
Geheime  Bergrat  Reuss  seitens  des  Ministeriums  für  Handel  und  Gewerbe  anwesend.  Vom
Oberbergamt  Bonn  nahmen  der  Berghauptmann  Ammon  als  Leiter  sowie  der  Geheime
Bergrat  Wandersleben  teil.  Von  der  Bergwerksdirektion  waren  zehn  Personen  anwesend  und
von  den  einzelnen  Berginspektionen  nochmals  dreizehn  Beamte  (LAS  564  Nr.  914;  HSTAD
562  Nr.  1037).
24  In  diesen  Ökonomieplänen  waren  alle  Investitionen  und  sonstigen  Ausgaben  für  das
kommende  Haushaltsjahr  genau  festgelegt.
25  Leopold  Sello,  der  1785  in  Potsdam  als  Sohn  eines  Hofgärtners  von  Friedrich  dem  Großen
geboren  worden  war,  begann  seine  Ausbildung  zum  Bergbaubeamten  im  Jahre  1800.  Nach
seiner  Zeit  als  Bergbaueleve  und  Studienjahren  an  der  sächsischen  Bergakademie  in
Freiberg  unternahm  er  mehrere  Fortbildungsreisen.  1811  wurde  er  in  den  Staatsdienst
aufgenommen  und  auf  der  oberschlesischen  Friedrichsgrube  mit  der  Führung  des  Galmei-Bergbaus
  und  Hüttenbetriebes  in  Tarnowitz  beauftragt.  1816  wurde  Sello  dann  nach  Saar¬183


            
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