Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

ofenanlage  anzugliedem.  In  Dillingen  wurde  1905  wieder  ein  erster  Hochofen  in
Betrieb  genommen,  im  Verbund  mit  Gichtgasgebläsemaschinen.  Die  Frage  der
Wärmewirtschaft  bedeutete  demzufolge  für  Dillingen  eine  betriebswirtschaftlich
bedeutungsvolle  Rückverlagerung  von  Betriebseinrichtungen  an  die  Saar.
Auch  die  bereits  erwähnte  Burbacher  Hütte  baute  ihre  Hochofenabteilung  nach
der  Jahrhundertwende  aus  und  bezog  daher  immer  weniger  Luxemburger  Roheisen.
  Hatte  die  Burbacher  Hütte  in  den  1870er  Jahren  noch  42,5%  ihres  Roheisenbedarfs
  in  Esch-Schifflingen  gedeckt,  so  sank  der  Anteil  im  ersten  Jahrzehnt
  des  20.  Jahrhunderts  auf  18,2%.39  Die  fortschreitende  Nutzung  der  Abwärme
  der  Koksöfen  und  die  Einführung  der  geschlossenen  Gicht,  die  eine  stete
Verbesserung  der  Gasentnahme  an  den  Hochöfen  ermöglichte,  führte  langfristig
zur  Reduzierung  des  Unterschieds  in  den  Gestehungskosten  für  Roheisen
zwischen  Esch  und  Burbach.40
Während  etwa  die  Dillinger  und  Burbacher  Hütten  Produktionskapazitäten  aus
dem  lothringisch-luxemburgischen  Minetterevier  an  die  Saar  verlagerten  und
somit  ihre  Position  dort  festigten,  gingen  andere  Saarhütten  wie  das  Neunkircher
Eisenwerk  und  die  Völklinger  Hütte  den  entgegengesetzten  Weg  und  engagierten
  sich  seit  Ende  des  19.  Jahrhunderts  verstärkt  in  Lothringen.
Stumm/Neunkirchen  ließ  sein  Tochterwerk  Ückingen  über  die  1890er  Jahre  zu
einer  Hütte  mit  fünf  Hochöfen  ausbauen,  während  Röchling  im  Jahr  1898  das
Völklinger  Tochterwerk  Carlshütte  bei  Diedenhofen  in  Betrieb  nahm.41  Um  die
Jahrhundertwende  übertraf  die  Roheisenproduktion  der  Ueckinger  Hütte  bereits
bei  weitem  diejenige  des  Neunkircher  Eisenwerks:
Tab.  1:  Roheisenerzeugung  der  Hütten  Neunkirchen  (Saar)-Ueckingen
(Lothringen)

Neunkirchen

Ueckingen

Gesamt

1901

107.000t

157.000t

264.000t

1903

144.000t

167.000t

311,000t

1905

154.000t

185.000t

339.000t

1913

284.208t

281.728t

565.936t

(Quelle:  Neunkircher  Eisenwerk  (Anm.  38),  S.  102)

39  Angaben  vom  Verf.  aufgrund  der  Produktionsstatistiken  der  Hütte  Esch-Schifflingen  für
die  Jahre  1870-1919  ermittelt.
40  Vgl.  Festschrift  Die  Burbacherhütte  1856-1906.  Denkschrift  zur  Feier  des  50jährigen
Bestehens  der  Hütte  am  22.  Juni  1906.  Saarlouis  1906,  S.  62.
41  Richard  Nutzinger,  Karl  Röchling.  Das  Lebenswerk  eines  Großindustriellen.  Völklingen/Saarbrücken
  1927,  S.  118-119;  Neunkircher  Eisenwerk  (Anm.  38),  S.  48-49.

170
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.