Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Roheisensyndikates  lösen  wollten,  so  konnte  die  Fusion  jedoch  nicht  darüber
hinwegtäuschen,  dass  die  produktionstechnischen  Vorteile  der  Energieverbundwirtschaft
  ungenutzt  blieben.  Gerade  dieser  Umstand  brachte  die  Konzernleitung
der  Deutsch-Luxemburgischen  Bergwerks-  und  Hütten  AG  ab  1913  dazu,  die
produktionstechnische  Bestimmung  der  Hüttenstandorte  Differdingen,  Rümelingen
  und  St.  Ingbert  zu  überprüfen  und  neu  zu  ordnen.
Das  Ergebnis  war  eine  Hierarchisierung  und  Spezialisierung  der  einzelnen
Unternehmenseinheiten,  oder  anders  ausgedrückt  eine  fortschreitende  Integration
der  Konzernwerke,  ln  Anwendung  des  übergeordneten  Prinzips  der  Brennstoffökonomie,
  also  der  weit  reichendsten  Nutzung  der  Hochofengichtgase,  sollten
möglichst  viele  Produktionskapazitäten  nach  und  nach  am  produktionsstärksten
Standort,  nämlich  Differdingen,  konzentriert  werden.  Die  Belange  von  Rlimelingen
  und  St.  Ingbert  wurden  somit  denjenigen  von  Differdingen  untergeordnet.
Diese  Untemehmensstrategie  hatte  zur  Folge,  dass  das  Stahlwerk  in  St.  Ingbert
im  Jahr  1914  stillgelegt,  sodann  im  Jahr  1916  das  Blockwalzwerk  von
St.  Ingbert  nach  Differdingen  transferiert  wurde.  Im  Konzernverbund  wurde
St.  Ingbert  fortan  die  Spezialisierung  auf  den  Bereich  fertiger  Walzprodukte  (hier
vor  allem  Walzdraht)  zugewiesen,  das  benötigte  Halbzeug  wurde  von  Differdingen
  angeliefert.  Dem  Hüttenstandort  Rümelingen  beschied  das  Integrationsvorhaben
  der  Deutsch-Lux  keine  eigene  Zukunft.  Im  Konzernverbund  spielten
die  reichen  Rümelinger  Erzbergwerke  weiterhin  eine  wichtige  Rolle,  jedoch  nicht
mehr  die  Hütte  selbst.  In  immer  größerem  Umfang  wurden  Rümelinger  Eisenerze
den  Differdinger  Hochöfen  zugeführt.  Aufgrund  von  Engpässen  bei  der  Koksversorgung
  beschloss  Deutsch-Lux  Ende  des  Ersten  Weltkrieges,  die  Rümelinger
  Hochöfen  stillzulegen.  Auch  das  Nachfolgeunternehmen  HADIR  S.A.  sah
keine  Zukunft  für  den  Hüttenstandort  Rümelingen  und  verfügte  schließlich  die
Abtragung  der  Hochöfen.
Das  Beispiel  Differdingen-Rümelingen-St.  Ingbert  zeigt  auf  eindrucksvolle
Weise,  inwiefern  die  Anwendung  des  Prinzips  der  Energieverbundwirtschaft  die
Standortbestimmung  der  einzelnen  Unternehmenseinheiten  maßgeblich  beeinflusste,
  und  somit  die  Integrierung  der  Eisen-  und  Stahlproduktion  der  saarluxemburgischen
  Werke  des  Konzerns  Deutsch-Luxemburgische  Bergwerksund
  Hütten  AG  förderte.

Die  Modernisierung  der  Hiitte  Esch-Schifßingen  und  die  Gründung  des
A  RBED-Konzerns  (1911)
Bekanntlich  ist  der  luxemburgische  ARBED-Konzern  aus  dem  im  Jahr  1911
erfolgten  Zusammenschluss  der  drei  Unternehmen  Le  Gallais  Metz  &  Cie,  Eich-Dommeldingen,
  der  Luxemburger  Bergwerks-  und  Saarbrücker  Eisenhütten-AG,
Burbacher  Hütte,  und  des  Düdelinger  Eisenhütten-Actien-Vereins  hervorgegan¬165


            
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