diesem selbst.:s ln einem nächsten Schritt wurde das Differdinger Reinigungsverfahren
dahingehend verbessert, dass durch die Hintereinanderschaltung
zweier mit Wassereinspritzung versehener Ventilatoren gleicher Dimension der
Staubgehalt auf 0,1g in lcbm vermindert werden konnte.
Mit der Einschaltung dieses Ventilators waren die Schwierigkeiten erstmals
beseitigt, welche der Reinigung der Hochofengase von dem feinen, leichten
Staub und dem Wasserdampf entgegenstanden. "Damit ist, meiner Ansicht nach,
der (...) entschieden günstige Wendepunkt in der Möglichkeit der Benutzung
der Hochofengase zur unmittelbaren Krafterzeugung eingetreten", befand Lürmann
in einem Bericht, der am folgenden 1. Mai in Stahl und Eisen2" veröffentlicht
wurde. Überdies stellte das Differdinger Ventilationsverfahren eine viel
einfachere und kostengünstigere Lösung als der Theisensche Zentrifugalreiniger
dar. Durch einen glücklichen Zufall war eine Lösung der Reinigungsfrage
gefunden worden, die ohne nennenswerte Kosten in sehr kurzer Zeit dahin
führte, dass die Gaskraftanlage mit gereinigtem Gas versorgt werden konnte. Der
zum Gutachter bestellte Stahlwerkschef der Hoesch-Hütte in Dortmund, Friedrich
Springorum,* 30 stellte ein paar Monate später fest, dass das Differdinger Gasreinigungsverfahren
sich weiterhin bewähre, und stimmte dem Vorhaben der
Differdinger Werksleitung zu, die zur Heizung der Cowper-Apparate benutzten
Gase in gleicher Weise zu reinigen, da auf diese Weise ohne großen Kostenaufwand
ein weiteres Quantum Hochofengas für Walzwerkszwecke freigemacht
werden konnte.
Die Société des Hauts Fourneaux et Forges de Dudelange beanspruchte die
Priorität des Verfahrens, während Differdingen behauptete, zuerst die Reinigungswirkung
des Ventilators erkannt zu haben. Schließlich einigte sich Paul
Wurth (Differdingen) mit Emile Mayrisch (Direktor der Düdelinger Hütte) dahin,
dass die beiden Werke gemeinsam um ein Patent nachsuchen würden. Die
Patentanwälte von Differdingen, Meffert und Seil wurden im März 1901 beauftragt,
die Patentansprüche auszuarbeiten. Gegen diese Bestrebung kündigte die
Firma Eduard Theisen aus München Opposition an, da sie die Ansicht vertrat,
das Reinigungsverfahren durch Ventilatoren mit Wasserspülung fiele unter ihre
Patente. Es sollte jedoch zu keiner Patentnahme kommen, da sich schließlich
2K Eine am 15. März 1901 auf der Differdinger Hütte durchgeführte Analyse des Staubgehaltes
ergab 10,62g Staub pro cbm Gas auf der Gicht, 5,32g hinter den ersten Reinigern
für den schweren Staub, 2,72g vor dem Ventilator und 0,386g hinter dem Ventilator. Vgl.
Stahl und Eisen 21 (1901), S. 450.
2g Fritz W. Lürmann, Weitere Fortschritte in der Verwendung von Hochofengase, in: Stahl
und Eisen 21 (1901), S. 447.
30 Bericht des Verwaltungsrats der Aktiengesellschaft für Eisen- und Kohlen-Industrie
Differdingen-Dannenbaum bestimmt für die Generalversammlung der Aktionäre vom
22.6.1901. Anlage A, Gutachten Springorum über die Werksanlagen in Differdingen,
Stahlwerk Hoesch, 31.5.1901, S. 12 (AlLux AD1-533). Beim Gutachter handelt es sich um
Friedrich Springorum (1858-1938), Stahlwerkschef und nachmaliger Generaldirektor des
Eisen- und Stahlwerks Hoesch, Dortmund.
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