Ziel war es jährlich eine Million Fr an Ausgaben für Feuerungskohlen einzusparen,
dies bei einer anvisierten Jahresproduktion von 220.000t Endfabrikaten.
ln einem Bericht16 der Differdinger Unternehmensleitung werden die Erweiterungsziele
im Bereich der Wärmewirtschaft wie folgt dargelegt:
"(...) Wie der Entschluß reifte, zu der bestehenden Hochofenanlage Stahl- und
Walzwerk hinzu zu bauen, mußte man sich in erster Linie darüber klar werden,
in welcher Weise die Hochofengase nützlich verwendet werden könnten. (...)
Alle Welt sprach schon vom Gasmotor und es lag dann der Gedanke nahe, doch
in erster Linie den eignen Verbrauch der Hochöfen an Gasen nach Möglichkeit
zu reduzieren. (...) Wenn es möglich wurde, in Zukunft nur 1/5 bis 1/6 des
Gases, welches man bis dato zur Erzeugung des Dampfes für die Gebläsemaschinen
benötigte, zu gebrauchen, so lag es auf der Hand, daß die anderen 4/5 für
Stahl- und Walzwerk disponibel blieben. Die Quantität an Kohlen, welche ein
Werk bei einer Produktion von etwa 600t Ware per Tag zur Erzeugung der Kraft
verbraucht, kostet bei den heutigen Verhältnissen mindestens Frs. 1.000.000.
Diese Summe zu ersparen mußte versucht werden und wurde dieserhalb die
außerordentlich bedeutende Anlage in Differdingen mit Gasmotoren gebaut, und
zwar wurden bestellt drei 600pferdige Maschinen zur Erzeugung von elektrischer
Kraft und sechs Maschinen zur Erzeugung von Wind für die Hochöfen."
Der Erweiterungsplan ging davon aus, dass diese sechs Gichtgas-Gebläsemaschinen
genügen sollten, um die gesamte Hochofenanlage mit Wind zu
speisen. Der Erwerb zusätzlicher Dampfmaschinen war nicht vorgesehen, lediglich
die vorhandenen Dampfmaschinen sollten als Reserve dienen. Das
überschüssige Hochofengas war dazu bestimmt, die Dampfkessel für Stahl- und
Walzwerk mit 3000nr Heizfläche zu heizen sowie das Gros der kleinen Maschinen
und Lokomotiven durch elektrische Kraft anzutreiben. Bei diesen kleinen
Maschinen handelte es sich um Antriebsmaschinen für circa 600m Rollgänge,
Zentrifugalpumpen, hydraulische Pumpen, Sägen und Scheren, Adjustage-Maschinen,
Motoren für die Dolomit-Anlage, die Werkstätten und die Verladevorrichtungen
sowie um acht elektrische Krane. War man vor Einführung des
elektrischen Antriebs noch genötigt, nach diesen vielen kleinen Maschinen hin
Dampfleitungen zu bauen, welche mit großem Kondensationsverlust arbeiteten,
so sollte nunmehr lediglich ein relativ unwesentlicher Stromverlust in Frage
kommen.
Aufgrund dieses Erweiterungsplans beschloss der Verwaltungsrat des Differdinger
Hüttenunternehmens am 16. Mai 1899, bei John Cockerill die drei ersten
600 PS- Gichtgasmotoren in Auftrag zu geben. Diese Entscheidung erscheint im
Nachhinein recht waghalsig, setzte die Unternehmensleitung beim Ausbau des
Werkes in der Energiefrage doch alles auf die Karte der Gichtgasmotoren, ob-16
Notiz über die Actien-Gesellschaft für Eisen- und Kohlen-Industrie Differdingen-Dannenbaum.
Luxemburg, (Sept. 1900), Anlage I. Beschreibung der Hüttenwerke in Differdingen,
S. 14-15 (AILux ADI-533),
157