Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Teilen  der  Beschickung  besteht  und  aus  dem  oberen  Teil  des  Hochofens  von
den  Gasen  mitgerissen  wird.  Er  ist  leicht  zu  beseitigen,  da  er  sich  in  den  senkrechten
  und  waagerechten  Rohren  der  Gasleitung  eines  Hochofens  absetzt.  Die
Hochofengase  enthalten  jedoch  auch  eine  große  Menge  Stoffe,  die  aus  der
Reduktionszone  des  Hochofens  stammen,  und  diese  Staubmengen  werden  recht
weit  mit  den  Gasen  fortgefuhrt.  Diese  Stoffe  bzw.  die  bei  der  Verbrennung  der
Gase  daraus  gebildeten  Verbindungen  fanden  sich  in  allen  Zügen  der  Dampfkessel
  und  Winderhitzer.4  Wenn  metallische  Dämpfe  oder  andere  Verbindungen
der  Hochofengase  als  solche  in  die  Verbrennungskammern,  d.h.  die  Zylinder  der
Gasmaschinen  gelangten,  dann  vermehrten  die  aus  diesen  Dämpfen  bei  der
Verbrennung  entstehenden  Oxyde  oder  Verbindungen  die  Schwierigkeiten  der
Verwendung  der  Hochofengase  in  Gasmaschinen  außerordentlich.

Belgische  und  deutsche  Pioniere  der  Gichtgasmotoren
Nachdem  man  seit  Anfang  der  1890er  Jahre  mit  Erfolg  begonnen  hatte,  Generatorgasmaschinen
  zu  bauen,  insbesonders  seitdem  es  der  Gasmotorenfabrik  Deutz
gelungen  war,  eine  gut  arbeitende  Otto-Maschine  von  200  PS  mit  Generatorgas
zu  betreiben,  tauchte  die  Idee  auf,  den  Schritt  der  Verwendung  von  Hochofengasen
  zur  Krafterzeugung  in  Gasmaschinen  zu  wagen.  In  England  hatte  Thwaite
hierfür  bereits  im  Mai  1894  ein  Patent  erworben.  1895  wurden  zu  Wishaw  in
Schottland  damit  erste  Versuche  gemacht.  Fast  zeitgleich  und  unabhängig
voneinander  ergriffen  drei  Maschinenbauer  die  Initiative  zur  Konstruktion  eines
Gichtgasmotors,  einmal  die  Maschinenkonstruktionsabteilung  des  belgischen
Eisenhüttenunternehmens  John  Cockerill  in  Seraing,  sodann  auf  dem  Gebiet  des
Zollvereins  die  Gasmotorenfabrik  Deutz  (vorm.  Otto  &  Co)  und  die  Berlin-Anhaltische
  Maschinenbau-AG  in  Dessau.
Der  Plan  zur  Errichtung  einer  großen  Kraftzentrale  mit  Gichtgasmotorenbetrieb
für  sechs  Maschinen  von  je  500  PS  wurde  von  Eugen  Langen,  dem  Leiter  der
Gasmotorenfabrik  Deutz,  der  zusammen  mit  Nikolaus  August  Otto  den  so
genannten  Otto-Gasmotor  konstruiert  hatte,  im  Jahr  1895  verfasst,  und  sollte
beim  Hörder  Bergbau-  und  Hüttenverein  in  Dortmund  umgesetzt  werden.  Langen
  starb  jedoch  Ende  desselben  Jahres,  ehe  das  Projekt  ausgeführt  werden
konnte.  Da  keine  Einigung  betreffend  der  Fortführung  des  Projektes  mit  der
Deutzer  Fabrik  erzielt  werden  konnte,  vergab  der  Hörder  Verein  im  September
1896  die  Ausführung  von  zwei  Gichtgasmotoren  von  je  600  PS  zur  Erzeugung
von  elektrischem  Strom  an  die  Berlin-Anhaltische  Maschinenbau-AG  in  Dessau.
Die  Erprobung  der  Ersten  dieser  Maschinen  erfolgte  ab  April  1898,  die  Zweite
wurde  jedoch  erst  im  April  1900  in  Betrieb  genommen."’

Lürmann  (Anm.  7),  S.  250-252.
10 Vgl.  A.  Wagener,  Beiträge  zur  Frage  der  Kraftgasverwerthung,  in:  Stahl  und  Eisen  20
(1900),  S.  1080-1089;  Beck  (Anm.  8),  S.  519-525.

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