Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

tigen  Rückzug  der  letzten  alteingesessenen  Unternehmerfamilie  aus  der  saarländischen
  Eisenindustrie.1'9
Zur  langfristigen  Erhaltung  des  Montanstandorts  Saar  wurde  ein  zweistufiges
Restrukturierungsprogramm  erstellt.159 160  Die  erste  Stufe  sah  ein  Auslaufen  der
Flüssigphasen  in  Burbach  und  Neunkirchen,  Ausweitung  des  Qualitäts-  und
Edelstahlprogramms  und  Sti  11  legungs-  und  Konzentrationsmaßnahmen  im
Stahlwerks-  und  Walzwerksbereich  vor.  In  der  zweiten  Stufe  sollte  eine  gemeinsame
  Roheisen-  und  Kokserzeugung  (ROGESA  und  ZKS)161  aller  Saarhütten  in
Dillingen  errichtet  werden.  Parallel  zu  den  technischen  Maßnahmen  sollte  die
Belegschaft  stark  reduziert  werden.  Im  Dezember  1979  stimmten  die  Aufsichtsräte
der  Stahlwerke  Röchling-Burbach  und  der  Dillinger  Hüttenwerke  AG  der  gemeinsamen
  Roheisenerzeugung  zu.  Doch  konnte  der  Vertrag  erst  am  3.  April
1981  unterzeichnet  werden.  In  Dillingen  sollten  zusätzlich  zu  den  drei  dort
vorhandenen  Öfen  bis  zum  Jahr  1988  zwei  weitere  Großhochöfen  von  11  bzw.
11,5m  Gestelldurchmesser  gebaut  werden,  der  erste  sollte  Ende  1983/Anfang
1984  in  Betrieb  gehen.  Mit  fast  zweijähriger  Verzögerung,  bedingt  u.a.  durch
eine  Modifizierung  des  Restrukturierungsprogramms  in  Anpassung  an  eine
verschlechterte  Markt-  und  Quotensituation,  wurde  er  am  17.  Dezember  1985  als
bisher  größter  Hochofen  der  Saarhütten  angeblasen  mit  einem  Gestelldurchmesser
  von  lim,  einem  Ofengerüst  von  fast  100m  Höhe,  einem  Volumen  von
2200m3,  ausgestattet  mit  30  Blasformen  und  zwei  Roheisenabstichlöchern,
ausgelegt  auf  eine  Tagesproduktion  von  6050t.  Das  entsprach  etwa  der  bisherigen
  Tagesleistung  aller  sechs  Völklinger  Hochöfen.  Zum  neuen  Hochofen
gehörten  die  Möllerung,  drei  neue  Winderhitzer,  ein  Gasometer,  eine  Gichtgas-Entspannungsturbine
  und  die  Gasrückführung  bei  der  Begichtung.162
Seitdem  ist  die  Roheisenproduktion  im  Saarrevier  auf  Dillingen  als  alleinigen
Standort  fixiert.  Das  Roheisen  wird  von  Dillingen  auf  dem  Schienenweg  mit
Spezialfahrzeugen  (Torpedowagen),  deren  Einsatz  sich  seit  1971  bei  den  Transporten
  zum  Zweigwerk  SOLLAC  bei  Thionville  bewährt  hatte,163  an  die  Weiterverarbeitungsstätten
  im  Dillinger  Hüttenbereich  und  in  das  neue  Stahlwerk  nach

159  Märzen  (Anm.  2),  S.  63-66,  81,  100.
160  Verlauf  der  Restrukturierung  aus  der  Sicht  von  Saarstahl:  Der  Weg  der  Restrukturierung.
Die  gesellschaftsrechtliche  Neuordnung  des  Unternehmens,  in:  Der  Hüttenmann  40  (1986)  6,
S.4.
161  ZKS  =  Zentralkokerei  Saar.  Gemäß  Rahmenvertrag  vom  22.  Juni  1981  wurden  daran  die
Saarbergwerke  mit  49%,  die  Dillinger  Hütte  und  Röchling-Burbach  mit  jeweils  25,5%
beteiligt.  Der  Koksbedarf  soll  zu  60%  mit  Saarkohle,  40%  mit  Kohlen  aus  dem  Aachener
und  dem  Ruhrrevier,  eventuell  auch  aus  Übersee  gedeckt  werden.  Sie  sollte  Ende
1983/Anfang  1984  in  Betrieb  gehen,  tatsächlich  wurde  es  1985.  Vgl.  Verträge  unterzeichnet.
  Gemeinsame  Roheisen-  und  Kokserzeugung  an  der  Saar,  in:  Der  "Hüttenmann"
35  (1981)  2,  S.  1;  Hans-Ludwig  Klemm,  ln  Dillingen  entsteht  eine  neue  Kokerei  für  über
500  Millionen  DM,  in:  Us  Hütt  28  (1983)  3,  S.  161-164;  ders.,  Zentralkokerei  ist  in  Betrieb,
in:  Us  Hütt  29(1984)2,  S.  240-241.
162  300  Jahre  Aktiengesellschaft  (Anm.  4),  S.  83f.
163  Ebd.,  S.  78.

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