Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Rationalisierung.  Sowohl  im  lothringischen  Revier1"''  als  auch  im  rheinisch-westfälischen153
 154 155  waren  Konzentrationsprozesse  in  Verbindung  mit  gleichzeitiger
  Rationalisierung  in  Gang  gekommen  und  dort,  wo  dies  noch  nicht  zur
Fusion  geführt  hatte,  effiziente  Kooperationsvereinbarungen15-  getroffen  worden.
Die  Eigentumsveränderungen  in  der  lothringischen  Eisenindustrie  sind  für  die
Saarhütten  nicht  nur  deshalb  interessant,  weil  Kooperation,  Fusion  und  Konzentration
  früher  einsetzten,  sondern  manche  dieser  Maßnahmen  direkte  Auswirkungen
  auf  die  Dillinger  Hütte  hatten.  Nur  zögernd  entschlossen  sich  die
Saarhütten  zu  parallelen  Maßnahmen,  1960  gründeten  sie  eine  gemeinsame
Kohleneinkaufsgesellschaft  und  später  zusammen  mit  den  Saarbergwerken  die
"Kokereigesellschaft  Saar",  im  Verkaufssektor  kam  es  zu  Abstimmungen  im
"Walzstahlkontor  Süd".  Im  Jahr  1964  schlug  die  Dillinger  Hütte  vor,  die  vier
integrierten  Saarhütten,  also  ohne  Haiberg,  zu  höchstens  zwei  Einheiten  zusammenzulegen,
  die  damals  arbeitenden  18  Hochöfen  durch  4-6  moderne  Gro߬153

  Dort  wurden  die  bei  Ende  des  Zweiten  Weltkriegs  bestehenden  30  Gesellschaften  oder
Gruppen  bis  1976  durch  Fusion  auf  ein  halbes  Dutzend  reduziert.  Am  13.  Dezember  1948
wurde  die  SOLLAC  gegründet,  die  im  Namen  und  für  Rechnung  der  Gesellschafter  Les
Petits-Fils  de  François  de  Wendel  et  Cie,  De  Wendel  et  Cie,  Forges  de  Gueugnon,  Etablissements
  J.-J.  Carndud,  Forges  de  Basse-Indre,  Aciéries  de  Rombas,  Marine-Homécourt,
Aciéries  de  Longwy  und  Dillinger  Hütte  walzte.  Da  fünf  der  Gründerfirmen  von  der  Familie
de  Wendel  kontrolliert  wurden,  behielt  sie  auch  die  Kontrolle  über  die  SOLLAC.  Zwei
Jahre  später  (1950)  schlossen  sich  die  Aciéries  de  Marine  et  Homécourt  und  die  Aciéries  de
Micheville  zur  Sidélor  SA  zusammen,  in  der  die  Gruppe  Pont-a-Mousson  Mehrheitsaktionär
war.  Im  selben  Jahr  brachten  die  Petits-Fils  de  François  Wendel  et  Cie  und  De  Wendel  et
Cie  ihre  Unternehmen  in  eine  neu  gegründete  Aktiengesellschaft  ein.  1959  entstand  aus
dem  Zusammenschluss  der  Aciéries  de  Longwy  Senelle-Maubeuge  und  Escaut  et  Meuse  die
neue  Gruppe  Lorraine-Escaut,  die  ihrerseits  1966  von  USINOR  geschluckt  wurde.  1963
entstand  die  Société  Moseliane  de  Sidérurgie  (SMS)  durch  Fusion  von  UCPM1  (Union  des
consommateurs  de  produits  métallurgiques  et  industriels)  und  SMK  (Société  Minière  de
Kerouane).  1964  gründeten  die  Unternehmen  De  Wendel  et  Cie  und  Sidélor  die  Tochtergesellschaft
  SACILOR  (Société  Anonyme  des  Aciéries  de  Lorraine),  die  in  Gandrange  eine
neue  Hütte  für  die  Fertigung  von  Langprodukten  baute.  1966  schluckte  der  belgische
Konzern  Cockerill  das  Unternehmen  Providence-Rehon,  1969  schlossen  sich  die  Gesellschaften
  De  Wendel,  Sidélor  und  SMS  zu  Wendel-Sidélor  zusammen,  1973  fusionierten
Wendel-Sidélor  und  Sacilor  zu  der  neuen  Firma  SACILOR,  Aciéries  et  Laminoirs  de
Lorraine,  die  ihrerseits  65%  des  Aktienkapitals  der  SOLLAC  hielt.  1978  fusionierten  die
Société  des  Hauts  Fourneaux  de  la  Chiers,  die  Compagnie  des  Forges  de  Châtillon-Commentry-Biache
  und  die  Société  des  Aciéries  et  Tréfileries  de  Neuves-Maisons-Chätillon
zur  Société  Sidérurgique  Châtillon-Neuves-Maisons  (CNM).  Durch  den  neuen  Stahlplan  von
1978  erfolgte  eine  weitere  Eigentumsverschiebung,  vor  allem  in  der  Weise,  dass  die
Gläubiger  -  das  waren  der  französische  Staat  und  die  verstaatlichten  Banken  -  ihre  Kredite
in  Eigenkapital  verwandelten.  Sie  bekamen  somit  das  Sagen  und  wechselten  die  Unternehmsleitungen
  aus.  Weiter  (Anm.  121).
154  Zu  nennen  sind  hier  die  Angliederung  der  Dortmund  Hörder  Hüttenunion  an  Hoesch,  die
Reorganisation  im  Bereich  der  Krupp  Hüttenwerke  mit  klarer  Funktionsteilung  der  Werke
in  Rheinhausen  und  Bochum,  vor  allem  aber  der  Zusammenschluss  von  Thyssen  und  HOAG
(Hüttenwerke  Oberhausen  AG)  zum  größten  deutschen  Stahlproduzenten.
155  Thyssen,  Mannesmann  und  Krupp  verfolgten  damals  das  Projekt  einer  gemeinsamen
Erzumschlaganlage  in  Rotterdam.  Bitter  notwendiger  Konzentrationsprozeß  der  saarländischen
  Hüttenindustrie,  in:  Der  Hüttemann  bei  Röchling  22  (1968)  5/6,  S.  14-15.

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