Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Automatisierung
Bei  einer  Skizzierung  technischer  Veränderungen  in  der  Eisen-  und  Stahlerzeugung
  darf  ein  Hinweis  auf  die  Automatisierung  nicht  fehlen.  Sie  hat  in  der
Nachkriegszeit  in  allen  Bereichen  Einzug  gehalten,  von  der  Vorbereitung  des
Möllers  über  die  Beschickung  der  Hochöfen  mittels  automatisch  gesteuerter
Transportbänder,  die  Schmelzprozesse  in  den  Hochöfen  und  den  Konvertern,
die  Zuführung  von  Heißwind,  Sauerstoff,  Kühl-  und  Legierungsmitteln  bis  zum
Abstich  oder  Abgießen  in  die  modernen  Stranggießanlagen.  Von  zentralen
Steuerständen  aus  werden  durch  wenige  Männer  die  Arbeitsabläufe  geregelt,  die
früher  von  einer  Vielzahl  von  Arbeitern  mühsam  und  gefahrvoll  in  Handarbeit
ausgeführt  werden  mussten.  Die  Schmelz-  und  Umschmelzprozesse,  Zeit  und
Dauer  von  Abstich  und  Abgießen  werden  in  allen  Phasen  durch  Messgeräte  und
Teleoptik  kontrolliert  und  reguliert  und  dadurch  eine  Gleichmäßigkeit  im
Schmelzbad  und  im  inneren  Gefüge  des  erschmolzenen  Stahlblocks  erzielt,  die
die  früheren  auf  persönlicher  Erfahrung  und  Sachkenntnis  und  Schmelzprobenuntersuchungen
  im  Labor  beruhenden  Ergebnisse  und  Werte  an  Genauigkeit
weit  übertrifft.
Auf  die  Konsequenzen  für  die  Produktionskosten,  Einsparung  von  Arbeitskräften,
  die  Veränderung  der  Arbeitsplatzbeschreibung  und  die  daraus  resultierenden
  sozialen  Folgeerscheinungen  kann  hier  nicht  eingegangen  werden.  Doch
sei  wenigstens  mit  diesen  dürren  Worten  darauf  hingewiesen,  dass  die  technische
  Umsetzung  jeder  Innovation  die  Arbeitswelt  des  Hüttenarbeiters  verändert
hat  und  das  in  immer  kürzeren  Phasen.

Kooperation  und  Konzentration
Zum  Zeitpunkt  des  wirtschaftlichen  Anschlusses  (Sommer  1959)  waren  die
Saarhütten  den  Hochofen-  und  Stahlwerken  im  Rheinisch-Westfälischen  Industriegebiet
  nicht  nur  in  ihrem  Modemisierungsgrad  unterlegen,1'’2  sondern  auch  in
den  Betriebsgrößen.  Die  Anregung  der  Konzentration  klingt  schon  damals  in
kritischen  Beurteilungen  der  Saarwirtschaft  durch  bundesdeutsche  Stellen  an.
Die  Konzentration  mancher  Arbeitsvorgänge  und  die  Abstimmung  der  Produktpaletten
  sollte,  wenn  nicht  durch  Fusion  von  Betrieben,  dann  doch  durch
Kooperation  angestrebt  werden,  verbunden  mit  Modernisierung  und

152 Die  Dillinger  Hütte  ersetzte  ihre  Hochöfen  aus  den  Jahren  1905-1912  erst  1963-1966.
Dampfmaschinen  waren  in  der  Völklinger  Hütte  noch  dort  in  Betrieb,  wo  Elektrifizierung
aufgrund  einer  intensiv  betriebenen  Abhitzewirtschaft  keine  Vorteile  bringen  würde.  1954
arbeiteten  auf  Walzenstraße  1  und  II  zwei  Reversiermaschine  mit  8000  PS  bzw.  6140  PS,
1890  von  Erhardt  &  Sehmer  geliefert,  auf  Walzenstraße  V  eine  Gieichstrommaschine  mit
8300  PS,  auf  Walzenstraße  VI  eine  Drillingswalzenzugmaschine  mit  12.000  PS,  beide  1912
von  Erhardt  &  Sehmer  geliefert.  Eugen  Pracht,  Der  Maschinenbetrieb  des  Stahl-  und
Edelstahlwerkes,  in:  Du  und  Dein  Werk  2  (1953),  S.  191-195,  223-226,  hier  S.  192.

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