Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Stranggießanlagen  ausgerüstet,  im  Jahr  1985  rund  95%  der  Di  1  linger  Stahlproduktion
  im  Strangguss  abgegossen.149
Das  Stranggussverfahren  wurde  auch  in  der  Völklinger  Hütte  übernommen,  im
Juli  1967  ging  dort  eine  sechsstrangige  Kreisbogengussanlage  in  Betrieb,  die
je  zur  Hälfte  aus  dem  lOOt-Elektroofen  und  den  drei  60t-SM-Öfen  gespeist
wurde,  1971  folgte  dann  eine  Anlage  bei  den  OBM-Konvertern  für  Massenstahl150
 151  und  später  wiederum  eine  sechsstrangige  Anlage  in  dem  neuen  Aufblasstahlwerk.

Vakuum-Schmelzen
Das  Vakuum-Schmelzen  von  Stahl  erlangte  erst  nach  dem  Zweiten  Weltkrieg
Bedeutung  für  die  Stahlerzeugung.  Es  ermöglichte,  der  Stahlqualität  schädliche
Beimengungen  im  Schmelzbad  zu  eliminieren.  Das  können  geringe  Mengen  von
Sauerstoff  sein,  die  zu  unerwünschter  Bildung  von  Silizium-  und  Aluminiumoxyden
  führen,  die  beim  Gießen  stören  oder  die  Oberfläche  von  Brammen  oder
Knüppeln  verunreinigen.  Bringt  man  den  flüssigen  Stahl  in  ein  Vakuum,  so
entweicht  der  Sauerstoff  und  bildet  mit  Kohlenstoff  Kohlenoxydgas,  ohne  dass
Metalloxyde  entstehen.  In  der  Dillinger  Hütte  wurde  im  Herbst  1963  eine  Vakuumanlage
  zur  "Stahlentgasung"  bei  den  OLP-Konvertern  eingebaut  nach  dem
1959  auf  einem  Dortmunder  Hüttenwerk  entwickelten  DHHU-Vakuumverfahren.1’1

Im  Elektrostahlwerk  der  Völklinger  Hütte  wurde  das  Vakuumverfahren  bei  der
Erzeugung  hochwarmfester  Stähle,  vorwiegend  auf  Chrom-,  Nickel-  und  Kobaltbasis
  angewendet.  Durch  Abpumpen  von  Luft  wird  erreicht,  dass  der  Stahl  nicht
mit  Luft  in  Berührung  kommt  und  dadurch  Reaktionen  der  Atmosphäre  mit  dem
heißen  Metall  vermieden  werden.  Unter  äußerst  geringem  Gasdruck  wird  es
möglich,  Spuren  nicht  gewünschter  Metalle  wie  Blei,  Zink,  Tellur  oder  Wismut
durch  Verdampfung  aus  dem  Stahlbad  auszuscheiden.  Die  so  erschmolzenen
Legierungen  sind  von  einer  Reinheit,  wie  sie  bei  der  Produktion  von  Massenstahl
  nicht  erreicht  werden  könnte.  Die  verhältnismäßig  hohen  Erschmelzungskosten
  wurden  teilweise  dadurch  ausgeglichen,  dass  beim  Verschmelzen  kaum
Verlust  eintrat.

149 Wagner  u.  Weiler  (Anm.  127),  S.  298f.
i5°  ]sjeue  Edelstahl-Stranggießanlage  bei  Röchling,  in:  Der  Hüttenmann  bei  Röchling
21  (1967)  8,  S.  11;  Unsere  neue  Edelstahl-Stranggieß-Anlage,  in:  Der  Hüttenmann  bei
Röchling  21  (1967)  II,  S.  5-7;  Stahl  am  laufenden  Strang,  in:  Der  Hüttenmann  26  (1972)
7-9,  S.  8-11.
151 Hans-Ludwig  Klemm,  Die  Stahlentgasungsanlage  im  Blasstahlwerk,  in:  Us  Hütt
8(1964)  8,  S.  348-349.

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