Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Spannung  von  etwa  25  Volt  arbeitete.  Zur  Zeit  seiner  Inbetriebnahme  gab  es  in
Europa  nur  etwa  15  Öfen  dieser  Art,  von  denen  der  Völklinger  einer  der  größten
war.136  1989  waren  ein  UHP-Lichtbogenofen1-37  mit  Pfannenstahlentgasung,138  ein
22t-Vakuumlichtbogenofen,  ein  3,5t-Vakuuminduktionsofen  vorhanden.  Auf
dem  Sektor  Elektrostahl  blieb  unter  den  Saarhütten  die  Völklinger  Hütte  führend,
  in  geringerem  Maße  wurde  Elektrostahl  zeitweise  auch  im  Neunkircher
Eisenwerk,139 140  in  der  Burbacher  und  Dillinger  Hütte  und  im  Gussstahlwerk13"
hergestellt.  Die  hauptsächlichen  Elektrostahlproduzenten  in  Lothringen  waren
1960  die  Stahlwerke  in  Herserange  (zwei  Öfen  zu  25t,  ein  Ofen  zu  30t),
Longwy-Bas  und  Rehon  (je  ein  Ofen  zu  20t),  geringere  Mengen  erzeugten  die
Werke  Micheville  und  Mont-St.  Martin.141  Von  den  luxemburgischen  ARBED-Hütten
  besaß  Belval  seit  1928  einen  Elektroofen.142
In  der  Neunkircher  Hütte  wurde  in  den  1970er  Jahren  Ferromangan  zur  Thomasstahlverbesserung
  in  einem  Lichtbogenofen  geschmolzen.143  Das  im  April  1973
verabschiedete  lnvestititonsprogramm  sah  den  Bau  eines  modernen  Elektrostahlwerks
  mit  zwei  UHP-Öfen  vor,  die  1975  und  1977  in  Betrieb  gehen  sollten.
Doch  wurde  infolge  der  veränderten  Wirtschaftslage  bereits  im  Sommer  1974
eine  Programmänderung  beschlossen,  die  die  Umrüstung  des  Thomaswerks  auf
OBM-Verfahren  vorsah.144
Bei  der  Herstellung  mancher  Edelstähle  war  Vanadin  ein  unverzichtbarer  Legierungsbestandteil,
  aber  ein  Rohstoff,  der  nicht  zu  Deutschlands  Bodenschätzen
zählt.  Vanadinlagerstätten  gibt  es  in  den  USA,  in  Kanada,  Südafrika,  Indien  und
Skandinavien.  Hier  bemühte  sich  Hermann  Röchling  die  Engpässe  infolge  der
Einfuhrbeschränkungen  durch  metallurgische  Innovationen  auszugleichen.
Versuche  waren  schon  vor  dem  Ersten  Weltkrieg  angelaufen.  Durch  Windfrischverfahren
  ("Rösten")  konnte  in  der  beim  Erschmelzen  von  Thomaseisen  angefallenen
  Hochofenschlacke  der  Vanadingehalt  von  0,2%  auf  bis  zu  12%  angereichert
  werden,  allerdings  mit  erheblichem  Arbeitsaufwand  und  großen  Kosten.  Im
Jahr  1935/36  wurde  die  Vanadinfabrik  in  der  Völklinger  Hütte  durch  einen
zweiten  Röstofen  und  eine  besondere  Mahlanlage  für  Vanadinschlacke
136  Unser  neuer  Lichtbogenofen,  in:  Der  Hüttenmann  bei  Röchling  21  (1967)  9/10,  S.  2-3;
Neuer  Vakuum-Ofen,  in:  Der  Hüttenmann  bei  Röchling  22  (1968)  3/4,  S.  8-10;  Unser
Vakuum-Lichtbogen-Ofen,  in:  Der  Hüttenmann  bei  Röchling  22  (1968)  9/10  ,S.  6-11.
137  UHP  =  Ultra-High-Power.
138  Vgl.  dazu  S.  130.
139  1914  Ofen  von  12t,  vorwiegend  für  die  Ferromangangewinnung  eingesetzt.  Frühauf
(Anm.  5),  S.  112.
140  Cartellieri  (Anm.  24),  S.  231.  Die  Statistik  der  Stahlproduktion  der  ARBED-Hütten  zu
den  Stichjahren  1913,  1929,  1937,  1952  und  1964  weist  für  Burbach  keinen  Elektrostahl  aus.
ARBED  (Anm.  3),  S.  121.
141  Moine,  Histoire  technique  (Anm.  67),  S.  243.
142  ARBED  (Anm.  3),  S.  119,  zunächst  mit  Fassungsvermögen  von  18t,  1938  auf  25t  erhöht.
143  Frühauf  (Anm.  5),  S.  150.
144  Ebd.,  S.  155f.

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