nach einigen Jahren stillgelegt, weil die Haltbarkeit des Ofenfutters Schwierigkeiten
verursachte und weil man inzwischen Fortschritte im Umschmelzen von
Ferromangan mittels ölbeheizter Öfen gemacht hatte.133
Der Einsatzbereich der Elektroofen hatte zunächst in der Verbesserung von
Thomasstahl gelegen. Als aber dessen Qualität nach einigen Jahren auch im
Elektroofen nicht mehr viel verbessert werden konnte, wurden die Elektroofen in
Völklingen zunächst zur Herstellung unlegierter und niedriglegierter
Konstruktions- und Werkzeugstähle eingesetzt. Da tunlichst ein möglich reines
Einsatzmaterial verwendet werden sollte, gab man anstelle von Thomasstahl ein
Vorschmelzmaterial ein, das im Siemens-Martin-Verfahren erzeugt worden war.
Durch Verbesserungen des SM-Verfahrens konnten niedrig legierte Baustähle
und Feinstähle in das Schmelzprogramm des Martinwerks übernommen werden,
so dass die Elektroofen der Produktion mittel- und hochlegierter Werkzeug- und
Konstruktionsstähle Vorbehalten blieben.
Der Anwendungsbereich von Induktionsöfen war beschränkt, weil sie sich nicht
für Zusatz von über 30% Legierungsmittelen und auch nicht zur Verarbeitung
von festem Edelstahlschrott eigneten.134 ln den zwanziger Jahren war der Punkt
erreicht, dass im Bereich der Induktionsöfen beim Arbeiten mit Niederfrequenzen
keine technischen Fortschritte mehr erzielt werden konnten. Die Zukunft für das
Induktionsverfahren lag in der Anwendung von Mittel- und Hochfrequenztechnik,
Der Lichtbogenofen wurde in den Röchling'schen Eisen- und Stahlwerken in
Völklingen in dreierlei Weise weiterentwickelt: erstens konnte nun eine erheblich
höhere elektrische Energie eingesetzt werden, zweitens wurden die Ofenwände
mit einem feuerfesten Material ausgekleidet, das erheblich höhere Temperaturen
als bisher aushielt, drittens wurde eine stufenlose Transformatorenregelung
des Lichtbogens eingeführt. Diese letztgenannte Innovation basierte darauf, dass
nun Ströme hoher Stärke und kleiner Spannung sich besser regeln ließen als
früher. Eine Neuerung war auch der Einbau einer schwedischen Rührspule,
durch deren Bewegung eine gleichmäßige Temperatur des Schmelzbades und
eine einheitliche Stahlzusammensetzung entstand. Wie bei den anderen Verfahren
der Stahlherstellung wurden auch im Elektrostahlwerk die Kapazitäten der
Schmelztiegel erhöht.135 Eine neue Phase der Elektrostahlerzeugung begann, als
in den Röchling'schen Eisen- und Stahlwerken im Jahr 1962 erstmals in Europa
die Vakuum-Schmelztechnik mit dem Lichtbogenofen verbunden wurde. Die
Völklinger Hütte nahm im Frühjähr 1968 einen Vakuum-Induktionsofen von
3,5t und wenige Monate später einen 13,5t Vakuum-Lichtbogen-Ofen in Betrieb,
der mit Gleichstrom von einer Stärke bis zu 25.000 Ampère und einer
133 Johannsen (Anm. 26), S. 281-284.
134 Fntwicklung (Anm. 88).
135 1 9 54 waren im Völklinger Edelstahlwerk vier Lichtbogenöfen zu 5-25t und ein Mittelfrequenzinduktionsofen
zu 1,2t in Betrieb.
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