Schlacke entstand. Unter den Saarhütten war es die Dillinger Hütte, die als erste
das neue Verfahren adaptierte. 1960 nahm sie zwei OLP-Konverter in Betrieb,
1962 einen dritten.12’ 1964 arbeiteten in Luxemburg, Belgien, Deutschland,
England, Japan und Canada schon 22 Stahlwerke mit dem OLP-Verfahren, aber
nicht die ARBED-Hütte in Burbach, weil dort wenige Jahre vorher ein neues
Thomasstahlwerk gebaut worden war. Erst 1971 wurde beschlossen, das relativ
neue Burbacher Thomasstahlwerk durch zwei LDAC-Konverter zu ersetzen, der
erste ging am 13. November 1972 in Betrieb, der zweite im Februar 1975. Das
Vorhandensein von zwei Konvertergefäßen zu je 100t gewährleistete eine
kontinuierliche Stahlproduktion. Während ein Gefäß sich im Blasstand befand,
konnte an dem anderen die feuerfeste Ausmauerung erneuert werden. Eingebaute
Elektro-Nassfilter hielten die Staubbelastung gering.123 124
Mit der Umstellung in der Erzversorgung der Saarhütten von der phosphorhaltigen
Minette zu phosphorarmen Erzen aus europäischen und überseeischen
Lagerstätten wurde das LDAC-Verfahren aufgegeben und zum LD-Verfahren
übergangen.125 Das neue Dillinger Sauerstoffaufblasstahlwerk nahm am 26. März
1969 seinen Betrieb als erstes LD-Werk an der Saar auf. Aus zwei Roheisenmischern
von je 2000t Fassungsvermögen wurden zwei Sauerstoff-Aufblas-Konverter
mit je 185t Fassungsvermögen gespeist, sie lieferten bei Vollentstaubung
pro Stunde 150-180t Stahl. Ein wesentlicher Faktor für eine hochwertige
Stahlqualität ist ein minimaler Schwefelgehalt. Durch Einleitung von
Argon in den Konverterboden konnte eine Senkung auf 0,001% erreicht werden.126
Zur noch stärkeren Reduzierung entwickelte die Dillinger Hütte 1974
eine Stahlentschwefelung nicht im Konverter, sondern in der Stahlgießpfanne,
die früher lediglich als Behälter zum Aufnehmen, Transportieren und Vergießen
des Stahls gedient hatte. Durch Einblasen einer staubförmigen Calcium-Silizium-Legierung
und einer Kalkschlacke wird der im flüssigen Stahl vorhandene
Schwefel so stark gebunden, dass weniger als ein tausendstel Prozent übrig
bleibt. Diese Innovation läuft unter der Bezeichnung "Pfannenmetallurgie oder
Sekundärmetallurgie."127
Der Aufsichtsrat von ARBED-Burbach beschloss am 2. April 1976, in Völklingen
ein Stahlwerk zu errichten. Es sollte 1979/80 in Betrieb gehen und das
OBM-Stahlwerk in Völklingen, das aus dem Umbau des früheren Thomasstahl¬123
300 Jahre Aktiengesellschaft (Anm. 4), S. 75f.
124 Zwei LDAC-Konverter für Burbach, in: Der Hüttenmann bei Röchling 25 (1971) 9-11,
S. 4-5; "Gute Reise" für LDAC 1, in: Der Hüttenmann 26 (1972) 12, S. 6-10; Burbacher
Blasstahlwerk jetzt staubfrei, in: Hüttenmann 29 (1975) 4-6, S. 9-11.
125 Ausführliche Beschreibungen: Us Hütt 13 (1969) 1, S. 415-428; H. Hoffmann, Einweihung
unseres neuen Blasstahlwerkes, in: Us Hütt 13 (1969) 2, S. 432-438; Rainer Quinten, Die
Stahlerzeugung bei der Dillinger Hütte, in: Us Hütt 29 (1984) 3, S. 268-270.
126 300 Jahre Aktiengesellschaft (Anm. 4), S. 87.
127 Herbert Wagner u. Manfred Weiler, Die Stahlerzeugung bei der Dillinger Hütte, in:
Us Hütt 29 (1984) 4, S. 297-300.
130