Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

genommen.  Sie  dienten  vornehmlich  zum  Vorschmelzen  für  das  Edelstahlwerk.
Ihre  Kapazität  wurde  bis  1931  auf  40t  vergrößert."  In  Neunkirchen  wurde  1916
mit  dem  Bau  einer  neuen  SM-Anlage  mit  drei  Öfen  zu  je  35t  Fassungsvermögen
begonnen,  in  den  1920er  Jahren  die  Kapazität  auf  55t,  1935  auf  70t  je  Ofen
vergrößert,  nach  dem  Krieg  1949  wieder  ein  SM-Ofen  in  Betrieb  genommen,
1956  arbeiteten  drei  SM-Öfen,  deren  Chargengewicht  1963  von  60  auf  80t
erhöht  wurde.,os  1964  wurden  erstmals  Versuche  mit  dem  Einblasen  von  Sauerstoff
  statt  der  bisher  üblichen  Luft  unternommen.107 109
Infolge  des  hohen  Schrotteinsatzes  konnte  das  Siemens-Martin-Verfahren  nur
dort  wirtschaftlich  angewendet  werden,  wo  neben  der  Eisenerzeugung  eine
Weiterverarbeitung  von  Eisen-  und  Stahlprodukten  in  größerem  Maße  beheimatet
  war.  Dies  war  aber  im  Saarrevier  nicht  der  Fall.  Neben  Eigenschrott  wurde
Fremdschrott  verarbeitet,  der  zeitweise  in  größeren  Mengen  bei  den  Steinkohlenbergwerken
  anfiel,  ansonsten  auf  dem  freien  Markt  bezogen  werden  musste.110
Während  im  Jahr  1909  im  rheinisch-westfälischen  Revier  212  SM-Öfen  arbeiteten,
  waren  es  im  südwestlichen  Eisenrevier  (Saar,  deutscher  Bezirk  Lothringen,
Luxemburg)  26,  davon  zwölf  im  Saarrevier.111 114  Im  Jahr  1960  stand  das  Verhältnis
zwischen  Saarrevier  und  Lothringen  13  zu  36."-  Allein  Neuves-Maisons  besaß
13  SM-Öfen.  Auch  hinsichtlich  der  Konverterkapazität  waren  die  lothringischen
Werke  überlegen.  In  dem  neu  errichteten  SOLLAC-Werk  in  Seremange  arbeiteten
vier  Öfen  zu  je  120t,"  ’  hierzulande  lag  die  durchschnittliche  Konvertergröße  bei
70-80t.  Der  geringen  Zahl  der  SM-Anlagen  entsprach  ein  Anteil  von  20-25%
SM-Stahl  an  der  gesamten  saarländischen  Stahlproduktion  (1959).  Die  Qualität
des  SM-Verfahrens  war  so  gesteigert  worden,  dass  mit  geringeren  Mitteln  als  im
Elektroofen  Federstähle,  niedriglegierte  Baustähle  und  unlegierte  Werkzeugstähle
  hergestellt  werden  konnten.
Stillgelegt  wurden  die  SM-Öfen  hierzulande  Ende  der  1970er  Jahre,  in  Lothringen
  1980,1,4  in  Luxemburg  1990.

107  Johannsen  (Anm.  26),  S.  283.
108  Frühauf  (Anm.  5),  S.  133;  Rauguth  (Anm.  5),  S.  299.
109  Frühauf  (Anm.  5),  S.  151.
110  Neunkirchen  bezog  Fremdschrott  durch  die  Eisengroßhandelsfirma  Ferrum,  Saarbrücken,
eine  100%ige  Tochterfirma  der  Otto-WollT-Gruppe.  Frühauf  (Anm.  5),  S.  151.
111  Schlenker  (Anm.  27),  S.  211  ff.
112  Im  Saarrevier  waren  vorhanden:  in  Burbach  drei  Konverter  zu  30t,  in  Dillingen  drei  zu
80t,  einer  zu  75t,  in  Neunkirchen  drei  zu  60-70t,  in  Völklingen  drei  zu  60t.  Nathusius
(Anm.  2),  S.  99-107.
113  Moine,  Histoire  technique  (Anm.  67),  S.  243.
114  Ebd.,  S.  241.

127
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.